„Herrische Gewohnheiten“ – ein russischer Regionalpolitiker erlaubt sich schlechten Scherz

Eine Beamtin nannte Flutopfer in Sibirien „Vieh und Gesindel“, eine andere behauptete in einem Treffen mit Jugendlichen der Staat würde ihnen und ihren Eltern nichts schulden.  Immer wieder treten russische Beamten ins Fettnäpfchen und lösen damit Skandale aus.

Neulich rief der Gouverneur von der Republik Tschuwaschien Michail Ignatjew dazu auf, Journalisten und Blogger, die die Regierung kritisieren, einfach „zu tränken wie man so schön im Volke sagt“. Aufgrund der Aktivitäten solcher Journalisten und Blogger müssten sich die Behörden seiner Meinung nach mit Kundgebungen und der „schwierigen Situation“ befassen, anstatt sich „für die Verbesserung des öffentlichen Raums und die Erschließung neuer Betriebe“ zu kümmern.  Das sagte er ausgerechnet am internationalen Tag der Presse, als er lokalen Journalisten zu ihrem Berufsfest gratulierte. Sein Zitat hat für viel Aufsehen gesorgt, Ignatjew musste sich öffentlich entschuldigen.

Doch vielleicht hätte dieser Ausrutscher keine Konsequenzen für den hochrangigen Politiker gehabt, wenn er nicht nachgelegt hätte. Auf mehreren russischen TV-Kanälen lief ein Video, auf dem der Gouverneur einen Feuerwehrmann beleidigte. Bei der Übergabe von Schlüsseln für Dienstfahrzeuge an die Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums zwang er einen der Beamten, wie ein Hund hochzuspringen um den Schlüssel zu bekommen. Der Vorfall ereignete sich am 23. Januar auf dem Hauptplatz von Tscheboksary. Auf seiner offiziellen Website bezeichnete Ignatjew die Gerüchte über seine respektlose Haltung als „Spekulationen, Klatsch und geradezu Lügen“. Er würde diese mutigen Menschen und ihre Arbeit zutiefst respektieren. Sein Pressedienst sagte, Ignatjew sei mit dem Feuerwehrmann persönlich bekannt und alles sei „ein Scherz unter Freunden“ gewesen.

Doch für solche Rechtfertigungen war es offensichtlich zu spät. Die Ethikkommission der Partei Eigenes Russland empfahl einstimmig, Ignatjew aus der Partei auszuschließen. „Ignatjew hat die Ehre und Würde eines Offiziers gedemütigt, der Menschenleben rettet, und die Gefühle von Millionen von Menschen beleidigt. Eine Person, die einen hochrangigen Posten innehat, darf sich generell nicht so verhalten und herrische Gewohnheiten demonstrieren. um mit herrischen Gewohnheiten zu prahlen.  Der Gouverneur mache dies systematisch“, hieß es in der Erklärung der Partei.

[Daria Boll-Palievskaya/russland.NEWS]

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