Russlands Inlandstourismus: Weniger Reisen, höhere Rechnungen

Russlands Inlandstourismus verliert an Schwung. Nach Branchenschätzungen ging die Zahl der Reisen in den ersten neun Monaten 2026 zurück. Viele Urlauber sparen sich zusätzliche Kurztrips. Zugleich steigen die Ausgaben für Reiseleistungen – höhere Rechnungsbeträge verdecken damit teilweise die schwächere Nachfrage.

Die Menschen in Russland geben mehr für touristische Dienstleistungen aus, nutzen bestimmte Angebote aber seltener. Darauf deuten Daten des Sber-Index und Einschätzungen der Reisebranche hin, über die Kommersant am 13. Oktober berichtet. Besonders der Inlandstourismus und die südlichen Urlaubsregionen stehen unter Druck.

Nach Einschätzung von Sergej Romaschkin, Vizepräsident des Verbandes der russischen Reiseveranstalter, sank die Zahl der Inlandsreisen von Januar bis September 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei bis vier Prozent. Dahinter stehen demnach sowohl weniger Reisende als auch eine geringere Reiseaktivität.

Der Sber-Index erfasst für die Sommermonate Juni bis August ebenfalls Rückgänge: Die Zahl der Käufe von Reiseleistungen je Nutzer sank um 2,3 Prozent, die der Käufe von Hoteldienstleistungen um 2,9 Prozent. Auch die Zahl der Käufer von Hoteldienstleistungen ging um 2,9 Prozent zurück. Der Reisevermittlerverband ATAG meldet seinerseits acht Prozent weniger Hotelbuchungen im Jahresvergleich. Die Kennzahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und lassen sich deshalb nicht unmittelbar gleichsetzen.

Gespart wird zunächst am Kurzurlaub

Romaschkin beschreibt ein bislang verbreitetes Muster aus drei Reisen im Jahr: einem längeren Sommerurlaub, einer Reise zu den Neujahrsfeiertagen und einem Kurztrip an einem verlängerten Wochenende. Nach seiner Einschätzung verzichten Reisende inzwischen vor allem auf die zusätzliche kurze Auszeit.

Als Hauptgrund nennt er das Bestreben, Ausgaben zu reduzieren. Auch die Buchungsplattform Ostrovok beobachtet eine sorgfältigere Planung. Kunden verglichen Reiseziele und Unterkünfte genauer und achteten stärker auf das Verhältnis von Preis und Leistung.

Die Entwicklung deutet damit auf eine selektivere Nachfrage hin. Nicht unbedingt der gesamte Jahresurlaub fällt weg; gestrichen wird zunächst die Reise, die zusätzlich ins Budget passen müsste.

Der Süden verliert besonders deutlich

Im Südlichen Föderationskreis ging die Zahl der Hotelbuchungen von Mai bis August nach Angaben des Steuerdatenbetreibers Plattform OFD um 16 Prozent zurück.

Neben dem Sparverhalten der Urlauber nennt der Bericht logistische Schwierigkeiten als Belastung. Ein unregelmäßiger Flughafenbetrieb habe zu zahlreichen Flugausfällen und steigenden Ticketpreisen geführt. Im Nordkaukasus seien die Folgen der Frühjahrsüberschwemmungen hinzugekommen.

Der Rückgang lässt sich deshalb nicht allein auf die finanzielle Lage der Reisenden zurückführen. Auch die Erreichbarkeit und Verlässlichkeit eines Reiseziels beeinflussen die Entscheidung für einen Urlaub.

Höhere Rechnungen trotz schwächerer Nachfrage

Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen Transaktionsbeträge. Bei Flugtickets erreichte der Wert im Sommer laut Sber-Index 22.100 Rubel, ein Plus von 11,4 Prozent. Bei Reiseleistungen waren es 19.800 Rubel und damit 11,6 Prozent mehr. Bei Hoteldienstleistungen erhöhte sich der Durchschnittsbetrag um 10,4 Prozent auf 8.100 Rubel.

Diese Angaben sind keine reinen Preisindizes. Ein höherer Rechnungsbetrag kann neben Preissteigerungen auch andere Ursachen haben, etwa teurere Reiseziele oder mehrere gemeinsam bezahlte Leistungen. Er beschreibt zudem weder automatisch die Kosten eines vollständigen Urlaubs noch einen einheitlichen Preis je Hotelnacht.

Auf einen solchen Einfluss verweist ATAG-Direktor Alexander Bragin: Werden zusätzliche Dienstleistungen in Pauschalangebote eingebunden, können mehrere zuvor getrennte Zahlungen in einer einzigen Buchung aufgehen. Weniger Transaktionen je Person bedeuten deshalb nicht zwangsläufig ebenso viele entfallene Reisen.

Auslandsreisen verändern die Zusammensetzung

Ein Teil der Nachfrage verlagert sich offenbar ins Ausland. Beim Vermittler Sletat.ru stieg die Zahl der verkauften Reisen im Sommer um 14,2 Prozent. Nach den im Artikel wiedergegebenen Angaben entfielen 85 Prozent des Umsatzvolumens auf Auslandsreisen; der russische Anteil sank von 25 auf 15 Prozent.

Diese Zahlen beschreiben das Geschäft eines einzelnen Vermittlers, nicht den gesamten Reisemarkt. Sie zeigen aber, wie unterschiedlich sich einzelne Segmente entwickeln können. Da Auslandsreisen häufig höhere Ausgaben erfordern, kann eine veränderte Zusammensetzung der Buchungen die Durchschnittsbeträge zusätzlich nach oben treiben.

Die Gesamtausgaben für Hotels stiegen im Sommer laut Sber-Index um 3,1 Prozent, für Flugtickets um 17,5 Prozent und für Reisebüros und Buchungsdienste um 17,7 Prozent. Für Bahntickets wurden 21 Prozent mehr ausgegeben.

Für den Inlandstourismus ist das keine eindeutige Wachstumsbilanz. Während die nominalen Ausgaben zulegen, weisen Branchenschätzungen auf weniger Reisen hin. Steigende Rechnungen und eine schwächere Reisetätigkeit können gleichzeitig auftreten – besonders dann, wenn Haushalte ihre zusätzlichen Ausflüge streichen und sich auf wenige ausgewählte Reisen konzentrieren.

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