Schröder in Moskau: Antrittsbesuch bei Globus an Putins Geburtstag

Der deutsche Exkanzler besucht Mitarbeiter der russischen Handelskette. Seine neue Aufgabe im Aufsichtsrat rückt zugleich die Bedeutung politischer Kontakte für das Russlandgeschäft in den Blick.

Gerhard Schröder hat am 7. Oktober einen Globus-Hypermarkt in Moskau besucht. Der frühere Bundeskanzler, der kürzlich in den Aufsichtsrat der russischen Betreibergesellschaft OOO „Giperglobus“ berufen wurde, begrüßte Mitarbeiter und besichtigte den Markt. Die Unternehmenspressestelle bestätigte einen Arbeitsbesuch mit Gesprächen mit Führungskräften und Beschäftigten.

Vor den Mitarbeitern erinnerte Schröder nach Angaben von RBC an seinen eigenen beruflichen Einstieg: Nach der Schule habe er eine dreijährige Ausbildung im Handel absolviert und in einem Geschäft für Porzellan und Glas gearbeitet. Er kenne daher auch die Ungeduld von Kunden und die Anforderungen an das Verkaufspersonal. Nach der Begrüßung wurde das Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt.

Der Besuch fällt auf den 74. Geburtstag Wladimir Putins. Der Kreml hatte für den Tag internationale Telefonate und weitere Termine angekündigt. Eine Begegnung mit Schröder ist in den für diesen Bericht ausgewerteten Meldungen nicht bestätigt. Aus dem Besuchsdatum allein lässt sich ein solches Treffen nicht ableiten.

Bei Globus soll Schröder die strategische Entwicklung und langfristige Planung des Russlandgeschäfts begleiten. Eigentümer Thomas Bruch begründete die Berufung mit dessen Erfahrungen im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands. Diese sollten dem Unternehmen helfen, den Dialog aufrechtzuerhalten und Lösungen unter den gegenwärtigen Bedingungen zu finden. Schröder selbst warb für die Fortsetzung wirtschaftlicher Beziehungen und Investitionen.

Die Personalentscheidung steht vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheit für ausländische Eigentümer. Im September wurden unter anderem die russischen Aktivitäten von Metro, Auchan und Lemana Pro unter vorübergehende Verwaltung gestellt. Das verleiht der Frage nach verlässlichen Kontakten zur russischen Führung zusätzliches Gewicht.

Schröders Berufung lässt sich insofern auch als Versuch verstehen, die politische Gesprächsfähigkeit des Unternehmens zu stärken. Dass seine persönlichen Beziehungen Globus tatsächlich vor staatlichen Eingriffen schützen könnten, ist damit jedoch nicht belegt. Der Moskauer Auftritt macht zunächst sichtbar, dass der Altkanzler seine neue Unternehmensfunktion persönlich wahrnimmt.

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