Russlands E-Scooter werden alltäglich – die Unfallgefahr fährt mit

Russlands E-Scooter werden alltäglich – die Unfallgefahr fährt mit

In Russland wächst die Nachfrage nach Leihrollern. Anbieter berichten, dass ihre Kunden damit zunehmend kurze Alltagswege zurücklegen. Zugleich steigen die registrierten Unfallzahlen. Auch Deutschland kennt dieses Problem – allerdings erlauben die Statistiken keinen einfachen Ländervergleich.

Nach einem schwachen Saisonbeginn hat sich das russische Geschäft mit elektrischen Leihrollern erholt. Von Januar bis August 2026 nahm die Zahl der Fahrten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent zu. Das ermittelte der Kassendatendienst „Tschek Index“ für Kommersant. Der durchschnittliche Rechnungsbetrag stieg um 14 Prozent auf 207 Rubel, in Moskau erreichte er 311 Rubel. Die Analysten erklären die Nachfrage unter anderem mit höheren Kosten für Taxi- und Autofahrten.

Die Anbieter beobachten einen Wandel der Nutzung. Beim Verleiher Urent dauerten inzwischen 88,3 Prozent der Fahrten höchstens zehn Minuten; 2023 waren es 50 Prozent. Auch Whoosh berichtet, der Roller werde häufiger zum regelmäßigen Verkehrsmittel. Solche Angaben sprechen für seine wachsende Bedeutung auf kurzen Wegen, etwa zur nächsten Haltestelle. Sie stammen allerdings aus der Branche und belegen für sich genommen weder eine Entlastung des Autoverkehrs noch mehr Sicherheit.

Die russische Unfallstatistik zeigt eine problematische Entwicklung. Nach einem von Kommersant ausgewerteten Bericht der Verkehrspolizei wurden in den ersten fünf Monaten 2026 rund 1.160 Unfälle unter Beteiligung sogenannter individueller Mobilitätsmittel, kurz SIM, registriert. Das waren 32 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Elf Menschen starben, rund 1.230 wurden verletzt. Die meisten Unfälle entfielen auf Moskau mit 263 Fällen, gefolgt von St. Petersburg mit 101 und der Region Krasnodar mit 88.

Dabei darf die Bilanz der gesamten Fahrzeugkategorie nicht kurzerhand den Verleihunternehmen zugerechnet werden. Die SIM-Statistik beschränkt sich nicht auf gemietete E-Scooter. Ebenso wenig lässt sich aus den genannten Zahlen berechnen, wie gefährlich eine einzelne Fahrt geworden ist: Dafür wären passende Angaben über Fahrten oder zurückgelegte Kilometer im selben Zeitraum und für dieselbe Fahrzeuggruppe nötig.

In Deutschland nahm die Zahl der polizeilich registrierten E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden 2025 sogar um 38,1 Prozent zu. Das Statistische Bundesamt meldete 16.496 Unfälle, 38 Tote und 1.895 Schwerverletzte. Mehr als die Hälfte der auf E-Scootern Verunglückten war jünger als 25 Jahre.

Die deutsche Bilanz zeigt auch, wie unterschiedlich die Gefahren sind. Rund 30 Prozent der Unfälle waren Alleinunfälle. Bei Zusammenstößen mit Autos trugen E-Scooter-Fahrende in 38,1 Prozent der Fälle die Hauptschuld, bei Zusammenstößen mit Fußgängern dagegen in 88,7 Prozent. Rollerfahrer können somit gefährdete Verkehrsteilnehmer und zugleich eine erhebliche Gefahr für andere sein.

Aus den russischen und deutschen Gesamtzahlen lässt sich keine Rangliste der Sicherheit ableiten. Sie betreffen unterschiedliche Zeiträume und Fahrzeugabgrenzungen; außerdem fehlt eine gemeinsame Bezugsgröße für die Nutzung. Gemeinsam ist beiden Befunden der deutliche Anstieg registrierter Unfälle.

In Russland reagieren Kommunen unter anderem mit Einschränkungen des Verleihbetriebs. Daraus entstehen wiederum rechtliche Konflikte: Laut Kommersant erreichte die Staatsanwaltschaft nach Beschwerden der Betreiber die örtliche Aufhebung von Beschränkungen in Ljuberzy, Kotelniki und Ramenskoje.

Je stärker E-Scooter zu alltäglichen Wegen gehören, desto dringlicher wird deshalb eine praktische Verkehrsfrage: Wo können sie fahren und abgestellt werden, ohne Fußgänger zu gefährden und ihre Nutzer zwischen Autos zu drängen? Wachsende Nachfrage macht diese Aufgabe größer. Gelöst wird sie durch höhere Fahrtzahlen allein nicht.

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