Zahl der Fahrradunfälle in Russland steigt um ein Viertel

Zahl der Fahrradunfälle in Russland steigt um ein Viertel

In Russland hat die Zahl schwerer Verkehrsunfälle mit Fahrradfahrern deutlich zugenommen. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte die Verkehrspolizei 2.900 Unfälle, bei denen Radfahrer verletzt oder getötet wurden. Das waren 24,2 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Nach den vom Kommersant ausgewerteten Daten der russischen Verkehrspolizei kamen bei diesen Unfällen 123 Menschen ums Leben. Die Zahl der Todesopfer stieg damit um 7,9 Prozent. Weitere 2.800 Radfahrer wurden verletzt – ein Zuwachs von 25 Prozent.

Die Dynamik fällt auch im internationalen Vergleich auf. In der Europäischen Union stagniert die Zahl der getöteten Radfahrer seit Jahren weitgehend. Nach Angaben der EU-Kommission schwankte sie seit 2010 zwischen 1.800 und 2.100 pro Jahr. Im Jahr 2023 wurden 1.918 Todesopfer gezählt.

Russland weist damit gemessen an seiner Einwohnerzahl nicht zwangsläufig eine außergewöhnlich hohe Zahl getöteter Radfahrer auf. Ein direkter Vergleich ist allerdings schwierig: Die russischen Angaben beziehen sich nur auf sechs Monate, und Fahrräder werden dort deutlich seltener als alltägliches Verkehrsmittel genutzt als beispielsweise in Deutschland, den Niederlanden oder Dänemark. Auffällig ist vor allem der sprunghafte Anstieg innerhalb eines Jahres.

Zum Vergleich: In Deutschland starben 2024 insgesamt 441 Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen, darunter 192 Nutzer von Pedelecs. Fahrräder stellten damit 16 Prozent aller Verkehrstoten. Für Russland nennt die bislang veröffentlichte Halbjahresstatistik keine Aufschlüsselung nach herkömmlichen Fahrrädern und elektrisch unterstützten Modellen.

Die meisten Fahrradunfälle wurden in den russischen Großstädten registriert. Moskau lag mit 302 Fällen an erster Stelle, gefolgt von St. Petersburg mit 265. Danach kamen die Regionen Krasnodar mit 169, Nischni Nowgorod mit 131 und Krasnojarsk mit 93 Unfällen.

Bei der Zahl der Todesopfer führte das Gebiet Krasnodar mit acht Getöteten. In Moskau starben sieben Fahrradfahrer, im Gebiet Wladimir sechs sowie in St. Petersburg und im Gebiet Nischni Nowgorod jeweils fünf.

Ob die Zunahme auf einen wachsenden Fahrradverkehr, Witterungseinflüsse oder eine Verschlechterung der Verkehrssicherheit zurückgeht, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Aussagekräftige Daten zur Zahl der gefahrenen Kilometer liegen nicht vor. Deshalb handelt es sich streng genommen nicht um eine um 24 Prozent gestiegene Unfallwahrscheinlichkeit, sondern um eine entsprechende Zunahme der polizeilich registrierten Fälle.

Der Trend betrifft zudem nicht nur Fahrräder. Die Zahl der Unfälle mit sogenannten individuellen Mobilitätsmitteln – vor allem Elektrorollern und Monowheels – wuchs im ersten Halbjahr sogar um 32,4 Prozent. Bei Traktoren und anderen selbstfahrenden Maschinen betrug die Zunahme 13,6 Prozent, bei Bussen neun Prozent.

Der starke Anstieg deutet damit auf ein breiteres Problem hin: Während neue und traditionelle Formen der individuellen Mobilität in russischen Städten zunehmen, hält der Ausbau sicherer Verkehrswege offenbar nicht überall Schritt. Besonders Fahrradfahrer und Nutzer von Elektrorollern bleiben im Straßenverkehr weitgehend ungeschützt.

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