Moskau begrüßt IOC-Schritt zur Rückkehr russischer Sportler

Der Kreml hat die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees zur vorläufigen Wiederherstellung der Mitgliedschaft des Russischen Olympischen Komitees als wichtigen Erfolg gewertet. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einem „großen Ergebnis“ und verwies auf die Arbeit russischer Sportfunktionäre und Verhandler mit dem IOC. Zugleich machte er deutlich, dass der Prozess aus Moskauer Sicht noch nicht abgeschlossen sei: Die Arbeit zur vollständigen Wiederherstellung der Rechte russischer Sportler werde fortgesetzt.

Das IOC hatte am 7. Juli die seit Oktober 2023 geltende Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees vorläufig aufgehoben. Begründet wurde der Schritt damit, dass dem russischen Komitee keine Sportorganisationen aus den von Russland beanspruchten ukrainischen Gebieten Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischschja mehr angehören. Genau diese Einbindung regionaler Organisationen aus besetzten ukrainischen Gebieten hatte das IOC 2023 als Verletzung der Olympischen Charta bewertet.

Für Moskau ist die Entscheidung mehr als eine sportadministrative Korrektur. Sie öffnet aus russischer Sicht den Weg zurück in internationale Wettbewerbe – zumindest schrittweise. Sportminister und NOK-Präsident Michail Degtjarjow erklärte, die Wiederherstellung der Mitgliedschaft schaffe einen „direkten Weg“ für internationale Fachverbände, russische Mannschaften wieder zuzulassen. Nach seinen Angaben erlauben bereits mehrere internationale Verbände russischen Sportlern wieder Starts, während andere zumindest Jugendliche unter russischer Flagge antreten lassen.

Eine vollständige Normalisierung bedeutet der IOC-Beschluss jedoch noch nicht. Das IOC entscheidet nicht allein über die Teilnahme in allen Sportarten; die internationalen Fachverbände behalten Spielraum für eigene Regeln. Besonders deutlich ist das in der Leichtathletik, wo World Athletics die Sperren gegen russische und belarussische Athleten weiterhin aufrechterhält. Auch im Fußball ist eine rasche Rückkehr russischer National- und Klubmannschaften in Wettbewerbe von FIFA und UEFA bislang nicht absehbar.

Offen bleibt zudem, unter welchen nationalen Symbolen russische Sportler künftig antreten dürfen. Die Moscow Times berichtet unter Berufung auf IOC-Angaben, dass über die Verwendung von Flagge, Hymne und anderen nationalen Attributen zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden soll. Damit bleibt die Rückkehr Russlands in den Weltsport vorerst politisch und juristisch abgestuft: Die institutionelle Sperre des NOK wird gelockert, die Frage der vollständigen Repräsentation Russlands aber nicht abschließend beantwortet.

Die Ukraine reagierte kritisch. Das Außenministerium in Kiew bezeichnete die IOC-Entscheidung als beunruhigend und forderte Staaten sowie Sportverbände auf, Beschränkungen gegen russische Staatssymbole und russische Teilnahmeformen beizubehalten. Kiew verweist dabei auf den fortdauernden russischen Krieg gegen die Ukraine.

Der Beschluss fällt in eine Phase, in der das IOC seine Russland-Politik erkennbar neu justiert. Nach der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 hatte das IOC zunächst den Ausschluss russischer und belarussischer Sportler empfohlen. Später wurde für einzelne Athleten eine Teilnahme unter neutralem Status möglich. Im Mai 2026 hob das IOC bereits Einschränkungen für belarussische Sportler auf. Nun folgt die vorläufige Wiederherstellung der russischen NOK-Mitgliedschaft.

Für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles ist damit eine Rückkehr russischer Sportler wahrscheinlicher geworden, aber nicht garantiert. Entscheidend wird sein, wie die Fachverbände reagieren und welche Bedingungen das IOC für Flagge, Hymne, Mannschaftswettbewerbe und offizielle russische Repräsentanten festlegt. Moskau feiert den Schritt bereits als Durchbruch; für den internationalen Sport beginnt damit eher eine neue Runde politischer Abwägungen.

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