Berlin verbietet erneut russische und sowjetische Symbole zum 8. und 9. Mai

Berlin verbietet erneut russische und sowjetische Symbole zum 8. und 9. Mai

Die Berliner Polizei will auch in diesem Jahr die öffentliche Darstellung russischer und sowjetischer Symbole an den sowjetischen Ehrenmalen in der Hauptstadt einschränken. Betroffen sind nach Angaben russischer Medien die Gedenkorte im Tiergarten, im Treptower Park und in der Schönholzer Heide. Die Maßnahme soll für den 8. und 9. Mai gelten, also für die Tage, an denen in Europa an das Ende des Zweiten Weltkriegs und in Russland an den Sieg über Nazideutschland erinnert wird.

Nach Angaben von Kommersant sollen unter anderem russische und belarussische Flaggen, Fahnen der Sowjetrepubliken, sowjetische Symbole, Georgsbänder, militärische Uniformen und Abzeichen sowie die Buchstaben „V“ und „Z“ verboten werden. Auch das Abspielen oder Singen russischer Märsche und militärischer Lieder soll untersagt sein. Diplomaten und Veteranen sollen von den Einschränkungen ausgenommen sein. Die Berliner Polizei begründet das Vorgehen laut Bericht mit dem Schutz der öffentlichen Ordnung und einem würdigen Ablauf der Gedenktage.

Solche Verbote sind in Berlin nicht neu. Ähnliche Einschränkungen gab es bereits in den Jahren 2023, 2024 und 2025. Hintergrund ist der Krieg in der Ukraine, seit dessen Beginn die deutschen Behörden befürchten, dass Gedenkveranstaltungen zum 8. und 9. Mai für politische Demonstrationen oder zur Rechtfertigung des russischen Vorgehens genutzt werden könnten. Gerade die sowjetischen Ehrenmale in Berlin sind dabei ein besonders sensibler Ort: Sie erinnern an die gefallenen Soldaten der Roten Armee, stehen aber zugleich im Spannungsfeld der heutigen politischen Beziehungen zwischen Deutschland, Russland und der Ukraine.

Die russische Botschaft in Deutschland reagierte mit scharfer Kritik. Sie forderte die Berliner Behörden auf, das Verbot aufzuheben. In einer Erklärung sprach die Botschaft von einer Einschränkung des Rechts der Nachkommen sowjetischer Soldaten sowie anderer Bürger, der Gefallenen des Großen Vaterländischen Krieges würdig zu gedenken. Die Verbote seien „absurd“ und „zynisch“, da sie unter Verweis auf den Ukraine-Konflikt auch Symbole beträfen, die historisch mit dem Sieg über den Nationalsozialismus verbunden seien.

Nach Darstellung der Botschaft fallen unter die Einschränkungen nicht nur aktuelle russische Staatssymbole, sondern auch das rote Siegesbanner, Flagge und Wappen der UdSSR, das Georgsband, historische Militäruniformen sowie sowjetische Lieder aus der Kriegszeit. Moskau sieht darin eine politische Umdeutung des Gedenkens. Die Botschaft verband ihre Kritik zudem mit der Forderung, die Verbrechen des Dritten Reiches und seiner Helfer während des Krieges offiziell als Genozid an den Völkern der Sowjetunion anzuerkennen.

Für Berlin liegt das Problem jedoch gerade in der Vermischung von historischer Erinnerung und aktueller Politik. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben Symbole wie das Georgsband, aber auch sowjetische und russische Flaggen, eine neue politische Aufladung erhalten. Was für viele Russen und russischsprachige Familien ein Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Zweiten Weltkriegs ist, wird von anderen als Unterstützung russischer Kriegspolitik wahrgenommen.

Damit bleibt der 8. und 9. Mai in Berlin ein Tag gespaltener Erinnerungen. Einerseits sind die sowjetischen Ehrenmale zentrale Orte des Gedenkens an den Sieg über den Nationalsozialismus und an die enormen Opfer der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Andererseits versucht die Berliner Polizei, die Gedenkveranstaltungen von aktuellen politischen Konflikten freizuhalten. Genau an diesem Punkt entzündet sich der Streit: Russland spricht von einem Angriff auf historische Erinnerung, Berlin von einer Maßnahme zur Wahrung der öffentlichen Ordnung.

Die erneuten Verbote zeigen, wie stark der Ukraine-Krieg auch die Erinnerungskultur in Deutschland verändert hat. Das Gedenken an den 8. und 9. Mai bleibt nicht nur eine historische, sondern zunehmend auch eine politische Frage.

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