Ein Drittel der Krim-Bewohner nutzt Satellitentechnik mit Zugang zu ukrainischem Fernsehen

Ein Drittel der Krim-Bewohner nutzt Satellitentechnik mit Zugang zu ukrainischem Fernsehen

Auf der an Russland angeschlossenen Krim soll rund ein Drittel der Bevölkerung nichtlizenzierte Satellitentechnik nutzen, mit der auch ukrainische Fernsehsender empfangen werden können. Das berichtet die russische Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf einen Bericht, der im Föderationsrat vorgestellt wurde.

Nach Angaben der Zeitung fand am 27. April im russischen Föderationsrat eine Beratung zu aktuellen Problemen im Bereich Kommunikation und Telekommunikation statt. Dabei sei ein Bericht der Forschungsfirma „Grifon Expert“ zur Nutzung sogenannter „Gorynytschi“ auf der Krim vorgestellt worden. Diese Anlagen empfangen Satellitensignale aus mehreren Quellen und können laut Kommersant unter anderem ukrainische Fernsehsender übertragen.

Dem Bericht zufolge nutzen derzeit rund 34 Prozent der Bevölkerung der Halbinsel solche nichtlizenzierten Satellitenanlagen. Weitere 17 Prozent sollen lizenziertes Satellitenfernsehen verwenden, während 49 Prozent gar kein Satellitenfernsehen nutzen. Besonders verbreitet seien die Geräte demnach bei Menschen mittleren Alters zwischen 35 und 54 Jahren sowie bei jüngeren Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren.

Brisant ist die Darstellung auch deshalb, weil der Bericht die Nutzung alternativer Informationsquellen mit abweichenden politischen Einstellungen in Verbindung bringt. Je mehr Zugang ein Befragter zu alternativem Inhalt habe, desto häufiger unterscheide sich seine Meinung vom „Durchschnitt“, sei negativer und weniger stabil, zitiert Kommersant aus dem Dokument. Besonders ausgeprägt seien diese Tendenzen in ländlichen Gebieten sowie bei jüngeren und mittleren Altersgruppen, die ein geringeres Vertrauen in offizielle Informationsquellen zeigten.

Nach Angaben mehrerer mit den Ergebnissen der Beratung vertrauter Quellen wurde das russische Digitalministerium beauftragt, die Zahl der in Betrieb befindlichen Geräte auf der Krim zu überprüfen und sich mit der hohen Verbreitung nichtlizenzierter Technik zu befassen. Das Ministerium erklärte gegenüber Kommersant, in den seit 2022 von Russland kontrollierten Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson seien Verkauf und Nutzung solcher Geräte bereits regional verboten worden. Für die Krim und Sewastopol werde eine Lösung zur Ersetzung der Anlagen durch lizenzierte Technik geprüft.

Medienmarktexperten erklärten die Verbreitung der Anlagen unter anderem damit, dass „Gorynytschi“ schon vor 2014 auf der Krim eine wichtige Möglichkeit zum Fernsehempfang gewesen seien. Zudem gebe es dort bislang kein vergleichbares Verbot wie in den anderen von Russland kontrollierten ukrainischen Regionen. Auch fehlten Programme zum Austausch nichtlizenzierter Geräte gegen lizenzierte Angebote.

Für Moskau ist die Nachricht heikel: Mehr als zehn Jahre nach dem Anschluss der Krim scheint ein erheblicher Teil der Bevölkerung weiterhin technische Möglichkeiten zu besitzen, ukrainische Medieninhalte zu empfangen. Die russische Debatte dreht sich dabei weniger um Medienfreiheit als um Kontrolle des Informationsraums und um die Frage, wie stark sich ukrainische Informationsangebote auf Einstellungen der Bevölkerung auswirken könnten.

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