Lawrow verurteilt Druck der USA auf Kuba

Lawrow verurteilt Druck der USA auf Kuba

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Montag, dass wirtschaftlicher und militärischer „Druck” auf seinen Verbündeten Kuba „inakzeptabel” sei. Diese Äußerungen erfolgten, nachdem die Regierung unter Präsident Donald Trump ihre Drohungen gegen den kommunistisch regierten Inselstaat verschärft hatte. 

Am 30. Januar 2026 hat US-Präsident Donald Trump per Dekret einen Hebel geschaffen, der Havanna besonders dort trifft, wo es ohnehin am meisten schmerzt: bei der Energieversorgung. Künftig können die USA zusätzliche Zölle auf Importe aus Ländern erheben, die Öl nach Kuba liefern – direkt oder über Zwischenhändler. Die Botschaft ist unmissverständlich: Washington will den Druck auf die kubanische Führung erhöhen, indem es den Treibstoffzufluss drosselt und so die wirtschaftliche Lage weiter verschärft.  

Das Dekret beschreibt einen Prozess, der nach Bürokratie klingt, in der Praxis aber ein politisches Druckinstrument ist: Das US-Handelsministerium soll feststellen, ob ein Land Öl nach Kuba liefert; anschließend legen Außen- und Finanzministerium gemeinsam mit dem Handelsressort die Höhe der Zölle fest. Es ist also nicht einfach eine symbolische Drohung – es ist eine regelrechte Zoll-Schaltanlage, die nach Bedarf hoch- oder runtergeregelt werden kann.   

Auf eine Journalistenfrage, ob er die kubanische Regierung „ersticken“ wolle, wich Trump zwar rhetorisch aus („sehr hartes Wort“), blieb aber in der Sache eindeutig: Kuba sei „ein Staat, der vor dem Zusammenbruch steht“ und könne „einfach nicht überleben“. Zwischen den Zeilen steckt genau das, was offiziell abgestritten wird: maximaler wirtschaftlicher Druck, bis die kubanische Regierung nachgibt – oder stürzt.   

Kuba steckt bereits in einer schweren Versorgungskrise – und Energie ist der Engpass, der alle anderen Engpässe verschlimmert: Transport, Lebensmittelkühlung, Produktion, Wasserpumpen, Krankenhäuser. Schon vor dem US-Vorstoß war die Lage so angespannt, dass die Stromversorgung nur etwa zwei Drittel des Bedarfs deckt und es vielerorts fast täglich stundenlange Ausfälle gibt – auch in Havanna.   

Das Problem ist nicht neu: veraltete thermoelektrische Kraftwerke, chronischer Treibstoffmangel, kaum Möglichkeiten zur Modernisierung. Neu ist das Timing. Laut den im Text zitierten Daten reichen Kubas Ölbestände aktuell nur für etwa 15 bis 20 Tage; das Volumen liege bei rund 460.000 Barrel. Gleichzeitig sind die Importe seit Jahresbeginn auf rund 3.000 Barrel pro Tag gefallen – nach einem Durchschnitt von 37.000 Barrel pro Tag im Vorjahr. Wenn das stimmt, ist das nicht „Krise“, sondern Countdown.  

Die Drohkulisse richtet sich nicht in erster Linie gegen kleine Lieferanten, sondern gegen die wichtigsten Quellen. Besonders im Fokus: Mexiko. Nachdem die venezolanischen Exporte rückläufig waren, sei Mexiko im vergangenen Jahr zum führenden Öllieferanten geworden. Das staatliche Unternehmen Pemex habe von Januar bis September des Vorjahres knapp 20.000 Barrel pro Tag nach Kuba geliefert. In der Aufschlüsselung entfallen demnach rund 44 % der kubanischen Ölimporte auf Mexiko und 33 % auf Venezuela (bis Anfang Januar), dazu etwa 10 % aus Russland; kleinere Mengen kommen aus Algerien.  

 Damit setzt Washington nicht nur Havanna unter Druck, sondern auch Länder, die zwischen eigenen Interessen, regionaler Politik und US-Drohungen abwägen müssen. Gerade Mexiko gerät in ein Dilemma: Liefert es weiter, riskiert es wirtschaftliche Nachteile im Handel mit den USA; liefert es weniger, verschärft es die humanitäre Lage auf der Insel – und füttert indirekt die politische Eskalation. 

Aus Russland kommt erwartbar scharfe Kritik. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sprach von einem „groben Verstoß gegen das Völkerrecht“ und einem „unmenschlichen Eingriff“ in das Leben der kubanischen Bevölkerung. Kurz darauf bekräftigte Außenminister Sergej Lawrow am 2. Februar 2026, wirtschaftlicher und militärischer Druck auf Kuba sei „inakzeptabel“ – ausdrücklich auch die Unterbrechung der Energieversorgung; Moskau wolle Kuba weiter politisch und materiell unterstützen.  

Parallel wird in russischen Statements betont, dass Öllieferungen fortgesetzt würden. Der russische Botschafter in Kuba, Viktor Koronelli, erklärte am 5. Februar 2026, man gehe davon aus, dass die Praxis weiterer Lieferungen weitergehe.  

Nur wenige Tage nach dem Notstand folgte die nächste Trump-Ansage: Die USA führten Verhandlungen mit Kuba und wollten das Land „für diejenigen öffnen“, die dorthin reisen möchten (Interview mit NBC). Das wirkt wie eine zweite Erzählspur: Hier Druck, dort Gesprächsbereitschaft. Ob es sich um echte Diplomatie handelt oder um eine Taktik nach dem Motto „erst anziehen, dann Bedingungen diktieren“, bleibt offen. Fest steht: Die Verhandlungsbotschaft kam erst nach dem maximalen Hebel – dem Energie-Dekret.  

Wie fragil die Lage ist, zeigen Beobachtungen vor Ort: Nach der Ankündigung der US-Zölle wurden in Havanna lange Schlangen an Tankstellen gesehen. Solche Bilder sind mehr als Momentaufnahmen – sie sind ein Frühindikator: Wenn Treibstoff knapp wird, kippt das öffentliche Leben schnell in improvisierten Ausnahmezustand.  

Und als wäre das nicht genug, trifft die Energiekrise eine ohnehin geschwächte Wirtschaft: Der Tourismus – traditionell einer der wichtigsten Devisenbringer – ist laut kubanischem Statistikamt 2025 auf rund 1,8 Millionen Besucher gefallen (-18 % zum Vorjahr) und liegt damit – abgesehen von den Pandemiejahren – auf dem schlechtesten Stand seit 20 Jahren. Die Einnahmen betrugen 917 Mio. US-Dollar statt geplanter 1,2 Mrd. US-Dollar. Weniger Devisen bedeuten: noch weniger Spielraum, Energie- und Ersatzteile einzukaufen.   

Trumps neue Zoll-Drohung ist keine klassische Sanktion gegen kubanische Funktionäre – sie zielt auf den Treibstofffluss und damit auf den Kreislauf der gesamten Volkswirtschaft. In der Logik Washingtons ist das ein Machtinstrument. In der Realität Kubas ist es ein Risiko, das vor allem die Bevölkerung trifft: mehr Stromausfälle, mehr Versorgungslücken, mehr Unsicherheit. 

Ob das am Ende politische Bewegung erzeugt – oder nur mehr Abhängigkeit Kubas von wenigen Partnern und eine weitere Verhärtung der Fronten – hängt davon ab, wie konsequent die USA den Zollhebel nutzen, wie Mexiko reagiert und wie viel Russland (und andere) tatsächlich liefern können oder wollen. Nur eines scheint sicher: Wenn Kubas Ölreserven wirklich nur noch für wenige Wochen reichen, ist das keine langfristige Druckstrategie mehr – sondern eine akute Zuspitzung.  

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