Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius ist der Ansicht erklärte, dass das Erscheinen des russischen Außenministers Sergej Lawrow in einem T-Shirt mit der Aufschrift „CCCP“ eine „handfeste, globale Kampfansage“ für die ganze Welt sei, „vor allem an die USA“. Dies schrieb er in einem Artikel für das deutschen Wochenblatt Die Zeit und verband die Symbolik damit, dass sich die russische Elite angeblich nicht mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion abgefunden habe.
Pistorius bezeichnete in dem Text „Alleingänge gefährden den Fortbestand der Nato“ den Revisionismus als „Teil der DNA der Russischen Föderation, die 1991 aus dem sowjetischen Erbe hervorgegangen ist“. Ein besonders anschauliches Beispiel für diesen Revisionismus sei das T-Shirt mit der Aufschrift „CCCP“ – die kyrillische Schreibweise von „UdSSR“ –gewesen, das Lawrow während seiner Reise zum amerikanisch-russischen Gipfeltreffen in Anchorage im August letzten Jahres getragen habe. „Der Anspruch der eigenen Machtentfaltung weit über Europa hinaus passt zu Lawrows T-Shirt – es handelt sich dabei um eine handfeste, globale Kampfansage, vor allem an die USA, auch wenn das dort noch nicht von allen erkannt wird.“
Pistorius erinnerte an die Notwendigkeit, die militärische Präsenz der USA in Europa aufrechtzuerhalten, da Russland und China angeblich versuchen, die Amerikaner vom Kontinent zu verdrängen: „Wir brauchen daher eine Bekräftigung des felsenfesten Bekenntnisses der USA zum Bündnis und zu ihren Beistandszusagen.“
Es geht um Lawrows Besuch in Alaska im August 2025, bei dem der russische Außenminister vor dem Gipfeltreffen zwischen Russland und den USA ein T-Shirt mit der Aufschrift „CCCP” trug. Lawrow selbst bezeichnete die Reaktionen auf sein Aussehen als künstlich aufgeblasen. Seinen Angaben zufolge gefiel das T-Shirt dem US-Außenminister Rubio und die amerikanische Seite habe „ohne Hysterie” reagiert.
„Das ist nichts Ungewöhnliches. Wir haben viele Produkte, die sowjetische Symbole reproduzieren. Ich sehe darin nichts Verwerfliches. Das ist Teil unseres Lebens, Teil unserer Geschichte”, betonte Lawrow.
„Für mich ist die Sowjetunion meine Heimat. Ich bin dort geboren, habe meine Jugend dort verbracht und meine Arbeit im Außenministerium geliebt. Ich glaube nicht, dass wir uns für unsere Heimat schämen sollten“, sagte der Minister. Von Wiedergeburt des Imperiums „Imperialismus” sei keine Rede und man sollte die Geschichte „mit einem Sinn für Humor” bewahren. In dem T-Shirt mit der Aufschrift „UdSSR” in Alaska gebe es keine geheime Botschaft.
Wladimir Putin ließ es sich nicht nehmen, bei passender Gelegenheit Lawrow wegen dieses Pullovers scherzhaft als „Imperialisten“ zu bezeichnen. Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmitro Kuleba erklärte, das Erscheinen des Diplomaten in dem T-Shirt in Alaska sei eine „Demonstration der Identität” Russlands.
Wladimir Putin bezeichnete den Zusammenbruch der Sowjetunion einst als die „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ und eine „nationale Tragödie enormen Ausmaßes“, die den einfachen Bürgern nichts gebracht habe, während er gleichzeitig sagte: „Wer die Sowjetunion nicht vermisst, hat kein Herz. Wer sie sich zurückwünscht, keinen Verstand“.
Der britische Fernsehsender Sky News bezeichnete dieses Kleidungsstück als „interessanten Verweis” auf die Zeit des Kalten Krieges zwischen den USA und der UdSSR im 20. Jahrhundert. Der amerikanische Fernsehsender CNN behauptete, das T-Shirt sei ein „lautes Signal” für die Rückkehr Russlands zum Status einer Großmacht.
Am Tag des Gipfeltreffens wurde das T-Shirt in Alaska zum Preis von 135 Dollar verkauft. Aufgrund der hohen Nachfrage mussten seine Hersteller in Tscheljabinsk bald auf einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb umstellen.

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