In Russland drohen Hunderte kleiner und monostädtischer Orte aufgrund der massiven Abwanderung der Bevölkerung von der Landkarte zu verschwinden. Diese Abwanderung wird nicht durch Zuwanderung ausgeglichen. Dies geht aus einem Bericht des russischen Meinungsforschungsinstituts Wziom hervor.
Als Hauptfaktoren für den Bevölkerungsrückgang in Kleinstädten werden die Abwanderung junger Menschen und der natürliche Rückgang der älteren Generation genannt. Die Gesamtzahl der Haushalte in solchen Ortschaften nimmt von Jahr zu Jahr ab. Fachleute verweisen auf die unzureichende Infrastruktur, die begrenzten Möglichkeiten für Bildung und berufliche Entwicklung sowie das Fehlen von Lebensperspektiven, die jungen Menschen Chancen für ihre Entwicklung in ihrer Heimat aufzeigen würden.
Die Studie zeigt, dass der Pessimismus unter jungen Menschen in Kleinstädten viel stärker ausgeprägt ist. Nur 33 Prozent der jungen Einwohner blicken optimistisch in die Zukunft, während dieser Anteil in Millionenstädten bei 53 Prozent liegt. Umfragen haben zudem ergeben, dass etwa 38 Prozent der Russen bereit wären, für ein lukratives Jobangebot in eine andere Stadt zu ziehen.
Soziologen prognostizieren, dass die Bevölkerung außerhalb der Großstädte zwischen 1950 und 2030 um 36 Prozent zurückgehen, die Einwohnerzahl in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern hingegen um 25 Prozent steigen wird. Eine einfache Aufwertung des Wohnumfeldes werde das Problem nicht lösen. Eine Bindung ist nur durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, neuen Branchen und die Verbesserung der grundlegenden Infrastruktur möglich.
Im August hatte eine Studie der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentliche Verwaltung (RANEPA) errechnet, dass 129 Kleinstädte mit insgesamt 3,4 Millionen Einwohnern in Russland allmählich verloren gehen könnten. Am stärksten betroffen seien die Kohle-, Hütten- und Holzindustrie im Norden sowie Städte in der Peripherie.

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