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02-10-2006 Weissrussland
Lukaschenko hält russisches Gas für überteuert - Abbruch der Beziehungen angedroht
Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hat Russland mit einem Abbruch der Beziehungen gedroht, sollte der Konzern Gasprom die Gastpreise erhöhen, schreibt die Tageszeitung "Wedomosti" am Montag.

Damit reagiere er auf das Scheitern der jüngsten Gasverhandlungen, behauptet man in der russischen Regierung.

In seiner Stellungnahme zum Gasprom-Angebot, den Tarif für das russische Gas ab 2007 auf 200 Dollar pro 1 000 Kubikmeter zu erhöhen, sagte er: "Eine derartige Steigerung des Gaspreises bedeutet eindeutig einen Abbruch jeglicher Beziehungen. In der Wirtschaft zumindest auf jeden Fall."

Nach Ansicht eines russischen Ministers ist Lukaschenkos Erklärung auf das Scheitern der Verhandlungen zwischen dem weißrussischen Premier Sergej Sidorski, seinem russischen Amtkskollegen Michail Fradkow und dem Gasprom-Vorstandsvorsitzenden Alexej Miller zurückzuführen. Sidorski hatte vorgeschlagen, den jetzigen Preis (46,68 Dollar für 1 000 Kubikmeter) beizubehalten. Im Gegenzug dafür sollte die weißrussische Gastransportgesellschaft Beltransgas (BTG) gemeinsam verwaltet werden.

"Die Gründung eines Joint Ventures von Gasprom und BTG für die Leitung der Transitpipelines und die Preise für den Gasexport an Weißrussland sind zwei Themen, die völlig unabhängig voneinander behandelt werden", sagte Alexander Rjasanow, Vizechef des Gasprom-Vorstands. Außerdem könne Weißrussland die Gaslieferungen durchaus mit einem Paket von BTG-Aktien bezahlen, fügte er hinzu.

Beide Seiten haben bereits die holländische Gesellschaft ABN Amro mit einem unabhängigen Gutachten über das Unternehmen BTG beauftragt. Laut Gasprom-Angaben wird es auf eine bis 1,5 Milliarden Dollar geschätzt. Von Weißrussland wird ein höherer Tarif verlangt als von der Ukraine, weil sie zu einem großen Teil das billigere Transitgas aus Zentralasien bezieht.

Laut einer IWF-Prognose würde sich Weißrusslands BIP bei einer Steigerung des Gaspreises auf 200 Dollar um 0,7 Prozent verringern. Weitere Folgen könnten Inflation und Haushaltsdefizite sein.

Alexander Tschubrik, Experte des Minsker Instituts für Privatisierung und Management, hält eine Preissteigerung auf 200 Dollar für unwahrscheinlich. Der weißrussische Politologe Sergej Koslowski stellt dazu fest: "Der höchste Preis, den der weißrussische Haushalt standhalten würde, liegt bei rund 97 Dollar". Dementsprechend wird auch der endgültige Tarif festgelegt.

Bisher hat Russland dem weißrussischen Nachbarn mit Vorzugskrediten geholfen, die für die Bezahlung der russischen Gaslieferungen gebraucht wurden. Dabei stimmte Russland auch Umschuldungen zu. Wie der russische Minister sagte, wurde diese Frage bei den bisherigen Verhandlungen nicht angeschnitten, man kann aber darauf jederzeit zurückkommen. [ RIA Novosti ]