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06-04-2006 Russland und die Vogelgrippe
Vogelgrippe-Pandemie in Russland würde 50 Millionen Menschen erfassen - und "Impfstoff der Verzweiflung"
Bei einer Vogelgrippe-Pandemie in Russland würden 45 Millionen bis 50 Millionen Menschen erkranken. Diese Prognose stellte der Chefhygienearzt Russlands, Gennadi Onischtschenko, am Mittwoch in Moskau. Der Berechnung liege eine Methode der Weltgesundheitsorganisation WHO zugrunde. Dabei würden bis zu 50 Millionen Menschen allein in der ersten Grippewelle erkranken, sage Onischtschenko.

"Wir haben den medizinischen Aspekt unterschätzt", gab der Chefarzt zu. Etwa sechs Millionen Landesbürger würden eine schwere Form der Grippe haben, wobei knapp eine Million stationär behandelt werden müssten. "Dafür werden wir 170 000 Ärzte brauchen."

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Russland und die Vogelgrippe – Wie es anfing, wie es weitergeht. Aktuelles, Hintergründe, Auswirkungen, Schutzmassnahmen.


Der Ausbruch der Pandemie sei nach Onischtschenkos Worten Ende Frühling oder Anfang Sommer besonders wahrscheinlich. "Alle Pandemien des vergangenen Jahrhunderts hatten zu dieser Zeit begonnen."

Besonders akut sei derzeit das Problem der Versorgung der Medizineinrichtungen mit Beatmungstechnik. "Die jüngste Beratung in den Föderationsbezirken Süd und Ural hat gezeigt, dass die medizinischen Einrichtungen nicht genügend solche Ausrüstungen haben." Der Chefarzt erinnerte daran, dass Vogelgrippe unter Menschen seit Ende 2003 in 51 Ländern nachgewiesen wurde. 107 der registrierten 190 Erkrankten seien gestorben.

Besondere Besorgnis äußerte Onischtschenko über die Situation in der Kaukasusrepublik Aserbaidschan, wo bislang sieben Vogelgrippe-Fälle unter Menschen nachgewiesen wurden. Fünf davon hätten mit dem Tod geendet.

2006 dürfte der gesamte Süden Russlands nach Onischtschenkos Prognose von Vogelgrippe tangiert werden. "Bei weitem nicht in allen Regionen gibt es Stäbe zur Bekämpfung der Vogelgrippe. Nicht überall sind komplexe Maßnahmen gegen diese Krankheit ergriffen."

"Das Verbot der Jagd ist das Hauptthema, das von unseren Gouverneuren diskutiert wird. Wir haben die Jagd (auf Wildgeflügel) bereits verboten. Diskussionen darüber wären fehl am Platze", betonte der Mediziner.

In (der baschkirischen Hauptstadt) Ufa werde derzeit ein experimenteller Impfstoff vorbereitet. "Das Präparat wurde auf der Grundlage eines Vogelgrippe-Stammes entwickelt, der bei einem in Vietnam an Vogelgrippe gestorbenen Menschen genommen worden war." Es handele sich noch um vorklinische Erprobungen des Impfstoffes.

Für die Schaffung eines Antibiotika-Vorrats für die Behandlung von Komplikationen nach überstandener Vogelgrippe werden laut Onischtschenko knapp zehn Milliarden Rubel erforderlich sein.

Vogelgrippe-Prognose in Russland und "Impfstoff der Verzweiflung"

Der oberste russische Hygienearzt, Gennadi Onischtschenko, hat den Vogelgrippe-Impfstoff, der im Forschungsinstitut "Vektor" in Nowosibirsk entwickelt wird, am Mittwoch im Gespräch mit RIA Novosti als "Impfstoff der Verzweiflung" bezeichnet.

Denn ein wirklich effektiver Impfstoff könne erst dann erzeugt werden, wenn die Pandemie anfängt.

Versuche mit Menschen seien noch nicht durchgeführt worden, denn es gebe noch eine Reihe von ungelösten Fragen.

Wie Onischtschenko mitteilte, wird derzeit intensiv an der Vorbeugung der Virusverbreitung und der Folgen der Erkrankung gearbeitet.

Doch ungeachtet dessen erwartet der oberste Hygienarzt eine negative Entwicklung der Lage im April und Mai, wenn die Zugvögel in die Ural-Region und nach Sibirien zurückkehren. [ RIA Novosti /  russland.RU ]