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04-11-2004 USA - Wahl
Das Wichtigste für die Wirtschaft von Russland - der Dollar muss gewinnen
In Bezug auf die wirtschaftlichen Folgen wäre es für Russland im Großen und Ganzen egal, wer der nächste USA-Präsident ist. Denn die USA-Wirtschaft ist eine riesige Maschinerie, die sich noch lange in die Richtung bewegen wird, die ihr in den letzten Jahren vorgegeben wurde.

Die Aufgabe des USA-Präsidenten besteht nicht darin, zu versuchen, etwas an der Wirtschaft zu ändern. Er muss nur auf die entstehenden Herausforderungen reagieren. Clinton hatte beispielsweise seinerzeit ein Riesenschwein: Während seiner beiden Amtsperioden ging es mit der USA-Wirtschaft aufwärts. Seinem Nachfolger Bush hinterließ er allerdings keine besonders glückliche Erbschaft. Zu dem Zeitpunkt schöpfte die USA-Wirtschaft ihr Wachstumspotential voll aus und es setzte eine Flaute ein.

Offen gesagt, musste Bush für die Fehler der vorangegangenen Administration die Verantwortung tragen, wenn auch alle von ihm unternommenen Schritte zweifellos für die Wirtschaft nützlich und für die einfachen Amerikaner von Vorteil waren. Gerade unter Bush sanken die Diskontsätze in Amerika auf ein Prozent. Erst vor kurzem stieg diese Ziffer auf 1,5 Prozent an. Wenn man berücksichtigt, dass die Amerikaner hauptsächlich auf Kredit leben, war eine solche Verbilligung der Anleihen ganz schön spürbar. Die Industriellen und Unternehmer bekamen die Chance, ihr Business auf Kosten erschwinglicher Kredite zu erweitern.

Man muss sich aber dessen bewusst sein, dass dies nicht immer so sein wird. Der USA-Präsident muss sich damit abfinden, dass seinem Amtsantritt bald eine Anhebung der Diskontsätze folgen wird. Große Mittel werden heute für den Kampf gegen den Terrorismus sowie für eine Normalisierung in Irak und Afghanistan ausgegeben. Um das Defizit zu decken, wird das Land Geld aus der ganzen Welt mobilisieren müssen. Damit aber jemand diese Mittel zur Verfügung stellt, muss der Kreditnehmer gute Bedingungen bieten. D.h., dieWertpapiere der amerikanischen Unternehmen müssen einträglich sein. Deshalb werden die Kreditzinsen höchstwahrscheinlich kurz nach den Wahlen angehoben werden. Das würde heißen, dass der Dollar stärker wird. Für Russland aber, dessen Wirtschaft in einem bedeutendem Maße auf die USA-Währung orientiert ist, wäre eine Dollar-Festigung vorteilhaft. Angesichts der ständig wachsenden Öl-Weltmarktpreise wäre das für Russland, das beträchtliche Ölmengen exportiert, besonders aktuell. Wenn Russlands Wirtschaft eine starke Währung für das Öl bekommt, erhält sie große Manövriermöglichkeiten.

Für Russlands Führung ist der Sieg Bushs dennoch angenehmer. In Russland hat man sich an sein Team bereits gewöhnt. Es genügt schon zu sagen, dass es unter den Verfassern des berühmten Briefes an die Führung der EU und der USA, in dem einige namhafte Politiker ihre Unzufriedenheit mit angeblich negativen Prozessen in Russland geäußert haben, keinen einzigen Vertreter des Bush-Teams gab. Während Anhänger Kerrys unter ihnen sehr wohl registriert wurden. Unter diesen Bedingungen ist es bestimmt einfacher, die bereits entstandenen durchaus freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Präsidenten Russlands und der USA weiter zu pflegen. (Jana Jurowa, politische Kommentatorin der RIA Nowosti).