Transnistrien zeigt Flagge – die Russische

Foto: commons.wikimedia/ TheFlyingDutchman GFDL-Lizenz CC BY-SA 3.0
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Tiraspol – Ein Land und seine Farben. Gestern hat der oberste Rat der abtrünnigen Republik Transnistrien einen Gesetzesentwurf verabschiedet, dass künftig die Flagge Russlands höchst offiziell neben der bisherigen der Republik wehen wird. Dies ist ein weiterer Schritt, sich amtlich von Moldawien zu lösen.

Ein bisschen Auffrischung hätte die offizielle Flagge der Republik Transnistrien schon seit längerem nötig gehabt. Nachdem man mit der Republik Moldau schon seit langem gebrochen hat, wehte, etwas antiquiert, die ehemalige sowjetische über den Amtsgebäuden und bei offiziellen Anlässen. Rein völkerrechtlich gesehen müsste es normalerweise die Moldawische, also eigentlich die Rumänische mit dem Wappen Moldaus, sein.

Wenn man den Lauf der Geschichte etwas vereinfacht, wurde die Region westlich des Dnjestr [auf Russisch ‚Pridnestrowje‘] im Zuge der Herrschaft der Mongolen seit dem 13. Jahrhundert als Khanat besetzt und später vom rumänisch geprägten Fürstentum Moldau, das mit dem Osmanischen Reich verbandelt war, regiert. Im Zuge der von Russland geführten Türkenkriege 1792 fiel die Region unter die Verwaltung ‚Neurusslands‘. Die heutige Hauptstadt Tiraspol fungierte zu der Zeit als Grenzposten des Russischen Reiches.

Nach dem ersten Weltkrieg kam ‚Bessarabien‘, wie das Gebiet bereits historisch bezeichnet wurde, zusammen mit Moldawien und der Südukraine zu der Sowjetunion. Schon mit deren Zerfall bekannte sich die dort ansässige Bevölkerung [Stand 2004: 555.000] zu Russland. Bis heute gilt die Loslösung von Moldawien als ‚eingefrorener Konflikt‘. Ethnisch betrachtet wurde und wird dieses Verwaltungsgebiet auch heute noch überwiegend von Russen und Ukrainern bewohnt.

„Die russische Nationalflagge ruft bei der transnistrischen Bevölkerung starke Assoziationen mit dem russischen Staat und mit der multinationalen Bevölkerung Russlands hervor, als Teil dessen sich auch die Bevölkerung Transnistriens fühlt“, heißt es deshalb auch in den Erläuterungen zu dem Gesetzesentwurf, der sich darin begründet, dass diese Assoziationen eine feste historische Grundlage hätten.

Selbst wenn Transnistrien [offiziell: ‚Transnistrische Moldauische Republik‘] international bisher als De-facto-Staat gilt und nirgendwo als souveränes Land anerkannt wird, unterhält die Republik dennoch enge wirtschaftliche sowie militärische Kontakte zu Russland. So mag die russische Flagge als weitere offizielle Beteuerung dienen, sich noch deutlicher an Russland zu binden.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.