Russlands Strafvollzugsbehörde FSIN verweist auf sinkende Kriminalität in Haftanstalten, mehr Sport- und Resozialisierungsprogramme sowie eine wachsende religiöse Betreuung von Gefangenen. Zugleich räumt Behördenchef Arkadi Gostew ein, dass es für bessere Haftbedingungen an Geld fehlt.
Bei einer Sitzung des Petersburger Internationalen Rechtsforums erklärte Gostew, öffentliche Organisationen seien inzwischen stark in die Arbeit mit Verurteilten eingebunden. Der wichtigste Wunsch der gesellschaftlichen Akteure laute, die Bedingungen in den Haftanstalten zu verbessern. Dem stimme die FSIN grundsätzlich zu, sagte Gostew sinngemäß. Das Problem seien jedoch die Möglichkeiten: Für Kleidung und andere Sachausstattung seien der Behörde 2025 nur 47 Prozent des Bedarfs bewilligt worden, für Reparaturen sogar nur 24,5 Prozent.
Die FSIN sei bereit, konkrete und „nicht populistische“ Vorschläge aus der Zivilgesellschaft zu prüfen. Dabei geht es vor allem um Organisationen, die sich in den Regionen am Aufbau von Bewährungs- und Resozialisierungszentren beteiligen. Gostew dankte den gesellschaftlichen Akteuren ausdrücklich für ihre Mitarbeit, sprach aber zugleich von einer schwierigen Aufgabe.
Als Erfolg stellt die Behörde unter anderem Sportprogramme in Gefängnissen und Untersuchungshaftanstalten dar. Nach Angaben Gostews fanden 2025 mehr als tausend Sportwettbewerbe statt, an denen rund 30.000 Gefangene teilnahmen. Diese Aktivitäten hätten, so die Darstellung der FSIN, zur Stabilisierung der Lage in den Einrichtungen beigetragen. Die Zahl der in Haftanstalten begangenen Straftaten sei 2025 um 31 Prozent zurückgegangen, Fälle von Gewalt oder Beleidigungen gegen Mitarbeiter der FSIN um 30 Prozent. Auch die Zahl der Suizide in Haft sei um 18 Prozent gesunken.
Schwieriger sei es, Menschen außerhalb geschlossener Einrichtungen in solche Programme einzubeziehen, etwa Verurteilte, die unter Kontrolle der Strafvollzugsinspektionen stehen. Diese seien in ihrer Freizeitgestaltung weitgehend selbständig, erklärte Gostew.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die sogenannte Probation, also ein seit 2024 bestehendes System zur Resozialisierung, sozialen Anpassung und Wiedereingliederung Verurteilter. Es umfasst drei Bereiche: die Arbeit mit Menschen, deren Strafe nicht mit Freiheitsentzug verbunden ist, die Begleitung von Gefangenen während der Haft sowie die Unterstützung nach der Entlassung.
Parallel dazu baut die FSIN die religiöse Betreuung in ihren Einrichtungen aus. Nach Angaben Gostews arbeiteten zum 1. Juni 2026 fast 1.400 nebenamtliche Geistliche in russischen Haftanstalten. Etwa 80 Prozent von ihnen gehören der Russisch-Orthodoxen Kirche an, rund 20 Prozent anderen Konfessionen. Insgesamt werde in 1.600 Einrichtungen mit Gläubigen gearbeitet. Im vergangenen Jahr seien weitere 205 Fachkräfte hinzugekommen. In 70 Haftanstalten wurden 2025 zusätzliche Stellen für die Arbeit mit Gläubigen eingerichtet, darunter in Einrichtungen für lebenslang Verurteilte, Frauen und Minderjährige.
Die Einführung solcher Stellen begann Anfang 2024 auf Initiative des Justizministeriums. Unterstützt wurde sie vom Moskauer Patriarchen Kirill und der Synodalabteilung für Gefängnisseelsorge. Zunächst wurden entsprechende Funktionen in Untersuchungshaftanstalten geschaffen, später auch in Kolonien und Gefängnissen.
Die Zahlen der FSIN zeichnen damit ein doppeltes Bild: Einerseits präsentiert sich die Behörde als reformorientiert und verweist auf Sport, Probation, religiöse Betreuung und sinkende Gewaltstatistiken. Andererseits wird deutlich, dass selbst nach offizieller Darstellung elementare Verbesserungen der Haftbedingungen an knappen Haushaltsmitteln scheitern. Die russischen Gefängnisse bleiben damit ein Bereich, in dem Reformrhetorik, gesellschaftliche Beteiligung und materielle Engpässe eng nebeneinanderstehen.

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