Russland produziert Gold billiger

Foto: James St. John CC BY 2.0 via Flickr

Inzwischen besitzt Russland mit die meisten Goldvorräte weltweit. Die Anhäufung von nicht unbedeutenden Mengen binnen der letzten Jahre brachte Bewegung in den internationalen Markt. Nun wurde ein Verfahren entwickelt, das die Goldproduktion um 40 Prozent günstiger werden lässt.

Aus gutem Grund lässt Russland schon seit längerem den Dollar zur Deckung seiner Haushaltsreserven fallen und setzt verstärkt auf Gold. Nicht etwa weil Gold, wie aus der Sicht der Kleinanleger momentan „sexy“ ist, sondern aus pragmatischen Gründen der Stabilität. Momentan verfügt die russische Zentralbank über etwa 1.700 Tonnen des Edelmetalls im Wert von fast 70 Milliarden US-Dollar. Weitere regelmäßige Zukäufe sind mittlerweile schon obligatorisch. Alleine im März dieses Jahres erwarb Russland zusätzliche 25 Tonnen. „Die Geschwindigkeit wird vom Markt bestimmt“, sagte jüngst Alexej Uljukajew, der erste stellvertretende Vorsitzende der russischen Zentralbank, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin ‚Bloomberg‘.

Nun kauft Russland sein Gold nicht nur, sondern fördert es auch. Von jüngst über 3.000 Tonnen die weltweit geschürft werden, fallen rund ein Zehntel auf das größte Land der Erde. Rund 250 Tonnen stammen aus russischer Förderung. Dabei rangiert der größte russische Produzent ‚Polyus‘ an achter Stelle weltweit, mit einer Jahresproduktion von knapp zwei Millionen Unzen im Jahr 2016. Da das begehrte Edelmetall natürlich nicht einfach so aus der Erde zu klauben ist, sondern erst mühselig aus Muttergestein extrahiert werden muss, erklären sich auch die hohen Preise für das auf dem Markt befindliche reine Gold.

Zudem ist der Extraktionsprozess nicht nur zeitaufwendig, sondern auch mit relativ hohen Kosten verbunden. Unter 1.200 US-Dollar könne deshalb niemand das Kilogramm Gold von der Mine an den Ladentisch bringen. Derzeit muss der Endabnehmer etwa 40 US-Dollar für das Gramm bezahlen. Nun haben Wissenschaftler an der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie in Moskau offenbar ein neues Verfahren entwickelt, wie man die Kosten der Goldförderung angeblich um 30 bis 40 Prozent senken könnte, wie das Institut bekannt gab. Sogar die Goldgewinnung aus Elektronikschrott sei so vorgesehen, heißt es. Diese Methode sei gemeinsam mit der chinesischen ‚Zijin Mining Group‘ entwickelt worden, teilt die Moskauer Universität mit.

Bisher handelte es sich, bei der in Russland am häufigsten angewandten Methode, Gold mittels reiner Cyanidlaugung aus Kupfererz zu extrahieren, offenbar um einen teuren und zeitaufwendigen Prozess. Nach Angaben der Wissenschaftler dauere der Aufwand rund 100 bis 120 Stunden und schlage mit Kosten von bis zu 800 US-Dollar pro Unze zu Buche. Statt reinem Cyanid werde zur Auslaugung des Goldes bei der neuen Methode Ammoniumcyanid verwendet. Das Gold könne mit diesem Verfahren vier- bis achtmal schneller und auch effizienter extrahiert werden, als mit der traditionellen Methode, so die ersten Statements der Laboranten. Diese neue Art der Goldgewinnung sei bisher bereits, wie nun bekannt wurde, in einer der Minen in Tadschikistan mit Erfolg getestet worden.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.