Rentnerin bittet Medwedjew um ein Gebiss

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[Hartmut Hübner] Die Rentnerin Raissa Lapistowa aus Orjol hat einen Brief an den russischen Regierungschef Dmitrij Medwedjew mit der Bitte geschrieben, ihr bei der Finanzierung einer Katarakt-Operation  und beim Kauf eines künstlichen Gebisses zu helfen.

In ihrem Brief schrieb die 80-jährige Frau weiter, dass, wenn der Ministerpräsident ihr nicht helfen  werde, sie „mit einem Plakat in den Vorortzügen betteln“ und früher oder später bis zur Staatsduma und zum Kreml vordringen werde.

Im Gespräch mit Journalisten erzählte sie, dass die kostenlose Medizin für sie nicht in Frage kommt, da sie fürchtet, das Auge durch das Handeln unerfahrener Ärzte zu verlieren, und Zähne will sie in solch hoher Qualität wie Sängerin Alla Pugatschowa haben. Jedoch verstünden die Sozialbehörden ihre Forderungen nicht. Die Rentnerin erklärte auch, warum sie ihre Familie nicht um Hilfe gebeten hat.

„Sie hätten sie mir niemals verweigert, aber ich werde meine Enkelin nicht um ihre paar Kröten bringen, wenn die Beamten Millionenlöhnung fassen und Milliarden stehlen“, machte sie klar.

Den Brief hatte sie im Februar geschrieben. Medwedew hat ihn bereits beantwortet und den Behörden vor Ort empfohlen, die Angelegenheit zu prüfen und, der Frau zu helfen. Die Oma sagte, dass ihr Michail Babkin, der ehemalige Stellvertreter des Gouverneurs des Gebietes zuständig für Finanzen, Hilfe versprochen hatte, doch jetzt ist er zurückgetreten.

Die Zeitung „Orjoler Neuheiten“ stellte fest, dass Raissa Lapistowa bei den Behörden der Stadt gut bekannt ist. Schon früher schrieb sie Briefe an Minister und Abgeordnete der Staatsduma.

Ihren Worten nach mache sie schon seit mehreren Jahren „die Beamten nass“. Die Babuschka verriet, dass ihr Enkel ihr ein Diktiergerät und eine versteckte Kamera geschenkt hat, und nun zeichnet sie die Gespräche mit den Vertretern der Macht immer auf.
(Hartmut Hübner/russland.ru)

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.