Primaballerina Maja Plissezkaja in Deutschland gestorben

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Am 2. Mai ist die russische Primaballerina Maja Plissezkaja im Alter von 89 Jahren in einer Klinik in München verstorben. Sie tanzte zwischen 1943 und 1988 am Bolschoi Theater in Moskau. Sie gehörte zu den wichtigsten Ballett-Tänzerinnen des 20. Jahrhunderts. Laut dem russischen Premierminister Dmitri Medwedew „geht mit ihr eine ganze Epoche des Balletts“, und es fällt schwer, dem nicht zuzustimmen. Plissezkaja hat eine große Karriere gehabt und zugleich viel Leid erlebt in der Sowjetunion durch Jahrzehnte des damals herrschenden Totalitarismus. Statt der geplanten Gala zu ihrem 90. Geburtstag wird es am Bolschoi am 20. November eine Gedenkveranstaltung geben.

Laut Wladimir Urin, dem Generaldirektor des Moskauer Theaters, hatte es vor wenigen Tagen noch ein Gespräch anlässlich der Gala gegeben. „Maja Michailowna war bei guter Gesundheit, nichts deutete auf das Unglück hin“, so Urin. Sie habe einen schweren Herzanfall erlitten, die Ärzte konnten sie nicht retten, wird der Chef des Bolschoi vom Internetportal newsru.com zitiert. Die Prima, die in den letzten Jahren größtenteils in Deutschland lebte, soll in Moskau begraben werden.

Sterbender Schwan und moderne Choreografie

Plissezkaja trat mit 18 Jahren in die Truppe des Bolschoi ein, sie glänzte so gut wie in allen Klassikern des Genres, wie „Schwanensee“, „Dornröschen“, „Giselle“, „Der Nussknacker“, usw. Ihre absolute Glanzrolle war der Sterbende Schwan – in dieser Partie hatte sie in der Welt nicht Ihresgleichen.

Plissezkaja hatte aber auch ein Faible für das moderne Ballett; Roland Petit und Maurice Béjart inszenierten für sie. Sie war es auch, die den Stücken der Moderne entgegen vieler Widerstände den Weg an die führende Moskauer Bühne ebnete. Béjart widmete ihr das Ballett „Ave Maja“, das sie 2005 anlässlich ihres 80. Geburtstags selbst tanzte.

Gegen alle Widerstände

Der Erfolg wurde Plissezkaja keineswegs in die Wiege gelegt. Ihr Vater, der bekannte Ballettlehrer Asaf Messerer, ging an den Stalinschen Repressionen der dreißiger Jahre zugrunde, ihre Mutter wurde als „Frau eines Volksfeindes“ nach Kasachstan deportiert.

Dieser familiäre Hintergrund führte dazu, dass Plissezkaja erst 1959, als sie den Titel „Volkskünstlerin der UdSSR“ erhielt, erstmals zu Gastspielen ins Ausland reisen durfte. 1958 heiratete sie den Komponisten Rodion Schtschedrin, mit dem sie auch eine jahrzehntelange, äußerst fruchtbare berufliche Allianz verband.

„Ich war unheimlich faul“

Plissezkajas Karriere als Tänzerin und Choreografin währte fast 60 Jahre – auch darin war sie eine Ausnahmeerscheinung. „Heute würde man mich wegen der physischen Mängel nicht einmal in eine einfache Ballettschule aufnehmen“, sagte die Ballerina vor Jahren gegenüber Interfax. Zudem gestand sie ein, „ein ungeheuerlicher Faulpelz“ gewesen zu sein.

„Ich mochte nie gern trainieren und üben. Aber in letzter Zeit denke ich manchmal, dass genau das meine Bühnenkarriere um das Zwei- oder auch Dreifache der üblichen Frist verlängert hat. Vielleicht deshalb, weil meine Beine nicht kaputt waren.“

[sb/russland.RU]