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18-04-2005 Russland und der Vatikan
Patriarch Alexi II. glaubt an baldigen Anbruch besserer Zeiten in den Beziehungen zur Römischen Kirche
Der Patriarch von Moskau und ganz Russland Alexi II. hofft, dass sich der neue Papst um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der Russisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche bemühen wird.

"Ich hoffe sehr, dass der nächste Papst zu einer positiven Entwicklung der Beziehungen zwischen der Russisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche beiträgt und dabei Weisheit und das notwendige Feingefühl an den Tag legt", sagte Alexi II. in einem Interview für die italienische Zeitung "Corriere della Sera".

Der Patriarch gab dem Bedauern darüber Ausdruck, dass in den gegenseitigen Beziehungen zwischen den beiden Kirchen immer noch ernste Probleme bestehen, die Papst Johannes Paul II. daran gehindert hatten, Russland zu besuchen.

Dabei betonte er: "Solche Besuche und Treffen der Vorsteher der Kirchen sind kein Selbstzweck und keine protokollarischen Maßnahmen. Sie müssen hingegen mit großem Sinn erfüllt sein und als Symbol bestimmter positiver Ergebnisse dienen, die in den Beziehungen zwischen den Kirchen erzielt wurden."

"Was unseren Dialog mit der Römisch-Katholischen Kirche betrifft, so kann ich leider einstweilen noch keine solche positive fortschreitende Dynamik verzeichnen", betonte Alexi II.

Der Patriarch erinnerte daran, dass 1997 ein Treffen zwischen ihm und Papst Johannes Paul II. in Graz stattfinden sollte.

Aber wegen der überraschend erklärten Weigerung der katholischen Seite, in dem früher abgestimmten Entwurf des Schlussdokuments des bevorstehenden Treffens die Verurteilung der Unia als Methode zur Herbeiführung der christlichen Einheit und des Proselytismus /zielgerichtete Abwerbung von Menschen, die aufgrund der Taufe und der Tradition zu einer anderen Kirche gehören/ beizubehalten, war es nicht dazu gekommen, sagte Alexi II.

Auf die gegenseitige Annäherung der beiden Kirchen eingehend, äußerte der Patriarch die Meinung, dass es dafür notwendig sei, vor allem auf den Proselytismus zu verzichten, weil "gerade der Proselytismus unter der rechtgläubigen Bevölkerung eines der akutesten und empfindlichsten Probleme in unseren gegenseitigen Beziehungen bildet.

"Große Besorgnis erwecken bei unserer Kirche auch die beharrlichen Versuche der ukrainischen Anhänger der griechisch-katholischen Kirche das Uniatentum in solchen Gebieten einzuführen, wo es nie bestanden hat, Missionsarbeit unter der rechtgläubigen Bevölkerung der Ukraine zu verrichten, in diesem Land ein Patriarchat zu gründen und ihren Bischofssitz aus Lwow nach Kiew zu verlegen, wo die Rechtgläubigen die Mehrheit der gläubigen Bevölkerung bilden", betonte Alexi II.

Aus seiner Sicht sollte die katholische Seite für die Überwindung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Kirchen den Willen zu einer mühseligen und nicht einfachen Arbeit zur grundsätzlichen Änderung ihrer Politik in Russland und anderen GUS-Ländern zeigen.

Über den seligen Papst Johannes Paul II. sagte der Patriarch, dass er seine Persönlichkeit achte.

"Der selige Papst Johannes Paul II. hat große Bemühungen unternommen, um die heutige europäische Zivilisation an ihre christliche Herkunft zu erinnern. Bedeutsam ist auch, dass er, trotz der sehr schweren Krankheit, für seine Herde bis in die letzten Tage seines irdischen Lebens hinein gesorgt hat", betonte der Vorsteher der Russisch-Ortodoxen Kirche. (RIA)