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01-11-2004 Russland und der Vatikan
Proselytismus der Katholiken als Stein des Anstoßes für Beziehungen mit der orthodoxen Kirche
Die größten Probleme, von denen die Beziehungen zwischen der Russisch-orthodoxen und der Römisch-katholischen Kirche überschattet sind, sind nach wie vor die katholische Expansion und der Proselytismus (aktive missionarische Tätigkeit) in Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan sowie die Einengung der Orthodoxen durch die Griechisch-Katholiken in der Westukraine.

Dies teilte der Patriarch von Moskau und ganz Russland Alexi II. bei seinem Treffen mit Hörern der Diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums mit.

„Die Beziehungen mit der Katholischen Kirche waren immer kompliziert. Ein Stein des Anstoßes sind nach wie vor die katholische Expansion und der Proselytismus in Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan sowie die Einengung der Orthodoxen durch die Griechisch-Katholiken in der Westukraine", sagte der Patriarch.

„Die Situation wird durch Instabilität und immer neue Herausforderungen erschwert", äußerte er. Hierzu zähle unter anderem der Besuch des Papstes in der Ukraine im Juni 2001. „Das gesamte Bistum der Ukrainisch-orthodoxen Kirche hatte den Papst gebeten, auf den Besuch zu verzichten, um die Spaltung nicht zu verschärfen. Ungeachtet dessen kam der Besuch zustande", so Alexi II. weiter.

Er rief in Erinnerung, dass der Vatikan 2002 den Status der katholischen Strukturen in Russland bis auf die Ebene der Eparchie aufgewertet und Russland zu einer Provinz der Römisch-katholischen Kirche erklärt hatte, der ein Metropolit vorsteht. Als eine Herausforderung bewertete der Patriarch auch den Versuch, ein Griechisch-katholisches Patriarchat in der Ukraine zu gründen.

Das Moskauer Patriarchat setze sich für eine schnellstmögliche Wiedervereinigung mit der Russisch-orthodoxen Kirche im Ausland ein. „Wie setzen uns für eine schnellstmögliche Überwindung der Spaltung ein, die von der Revolution und dem Bürgerkrieg verursacht wurde. Wir streben mit allen Kräften danach, diese Spaltung zu überwinden", sagte der Patriarch.

Ihm zufolge seien die für die Wiedervereinigung der beiden Kirchen zuständigen Kommissionen bereits zweimal zusammengetroffen. Es seien mehrere Entwürfe von Dokumenten abgestimmt worden, die verschiedene Fragen betreffen.

Die Spaltung, zu der es im 20. Jahrhundert gekommen sei, hätte politische Hintergründe, betonte Alexi II. „Die Russisch-orthodoxe Kirche war immer mit ihrem Volk, auch in Zeiten schwerer Prüfungen."

Viel schwieriger sei es, die Spaltung mit den Altgläubigen zu überwinden, denn diese Spaltung blicke auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. „Wir haben uns jedoch jetzt darauf verständigt, Fragen der Zusammenarbeit, vor allem im Sozialbereich, zu erörtern", teilte der Patriarch mit.

Ihm zufolge hat das Moskauer Patriarchat 277 Einrichtungen in 42 Ländern der Welt, unter anderem acht Eparchien, eine Geistliche Mission, Patriarchengemeinden in den USA, Kanada und Finnland sowie 16 Klöster. Bei diesen Einrichtungen seien 265 Geistliche, darunter zehn Erzbischöfe, tätig.

In der Welt gebe es insgesamt 277 Millionen orthodoxe Christen, sagte Alexi II. „160 Millionen von ihnen gehören zur Gemeinde der Russisch-orthodoxen Kirche im In- und im Ausland", fügte der Patriarch hinzu. (RIA)