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26-05-2004 Russland und der Vatikan
Alexij II. verweist auf gewisse Annäherung zwischen der Orthodoxen und der Römisch-katholischen Kirche
Russische Bürger in Italien haben die Möglichkeit, ihre geistlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Das erklärte der Patriarch von Moskau und ganz Russland, Alexij II., mit Dank am Dienstag in Moskau beim Treffen mit dem Vorsitzenden der Abgeordnetenkammer des italienischen Parlaments, Pier Ferdinand Casini.
„Eine immer größere Zahl unserer Landsleute lebt in Italien, und wir sind dafür dankbar, dass sie die Möglichkeit haben, ihre geistlichen Bedürfnisse zu befriedigen. In Italien werden orthodoxe Kirchengemeinden eröffnet, die unsere Landsleute in diesem Land seelsorgerisch betreuen", sagte der Patriarch.



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Er hob hervor, dass zwischen orthodoxen und katholischen Gemeinden, Eparchien und Klöstern „sehr gute Beziehungen entstanden sind und sich die Zusammenarbeit entwickelt".

„Ich erinnere mich an meine Italien-Besuche. Insbesondere in Norditalien begrüßen uns die Einwohner sehr herzlich", erklärte Alexij II.

In der italienischen Stadt Bari besteht eine Vertretung der Russischen Orthodoxen Kirche, teilte der Patriarch beim Treffen mit dem Vertreter der Abgeordnetenkammer des Parlaments Italiens mit.

„Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen und mich bei der Führung der Italienischen Republik und den Leitern der Stadt dafür bedanken, dass in Bari unsere Vertretung gegründet ist, die russischen Bürgern hilft, ihre Wallfahrt vorzunehmen", sagte der Patriarch.

Er hob hervor, dass sich in Bari Reliquien eines Heiligen befinden, der in Russland besonders geehrt wird. Das ist der Hierarch Nikolaus. „Am 22. Mai, dem Gedenktag dieses Heiligen, hatte eine große Gruppe unserer Wallfahrer Bari besucht", sagte Alexij II.

Er verwies darauf, dass eine „immer größere Zahl unserer Landsleute Italien besucht".

„Ich glaube, dass Russland und Italien sehr viel Gemeinsames haben. Auch Architekten Italiens hatten ihren Beitrag zur Errichtung von einmaligen Bauten in Russland geleistet. Unter anderem war die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale im Moskauer Kreml (Hauptkirche) unter Beteiligung des italienischen Architekten Aristotele Fioravanti gebaut worden", erinnerte der Patriarch.

Wie man in der italienischen Delegation sagte, war die russische Kirche des Heiligen Nikolaus in Bari Anfang des 20. Jahrhunderts unter Beteililgung der russischen Zarenfamilie gebaut worden und wurde vor einiger Zeit der Russischen Orthodoxen Kirche übergeben.

„Aber leider kann man nicht sagen, dass die Beziehungen zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und der Römisch-katholischen Kirche im ganzen wolkenlos sind", betonte der Patriarch.

Nach seinen Worten „werden diese Beziehungen dadurch verkompliziert, dass auf dem Territorium Russlands der Proselytismus, insbesondere durch katholische Mönchsorden, verwirklicht wird.

Zugleich sagte der Patriarch, dass beim jüngsten Treffen mit dem Kardinal des Papstrates für Förderung der christlichen Einheit eine Vereinbarung über die Bildung einer gemischten Gruppe für die Lösung von Problemen erzielt worden war, die zwischen beiden Kirchen bestehen. Anfang Mai fand ihre erste Sitzung statt.

Der Vorsitzende des Papstrates für Förderung der christlichen Einheit, Kardinal Walter Casper, der in diesem Jahr Russland besucht hatte, unterstrich beim Treffen mit dem Patriarchen, dass der Heilige Stuhl seinen Positionen treu bleibt und die Orthodoxe Kirche für eine Schwesterkirche erachtet. „Wir erstreben die brüderlichen Beziehungen. Das habe ich der Geistlichkeit beim Treffen in der Kathedrale gesagt. Beim Treffen mit Bischöfen habe ich an das Dokument der gemischten Gruppe ‚Pro Russia“ erinnert.

Natürlich weiss ich, dass es einzelne Personen gibt, die diese Beschlüsse nicht einhalten. Aber das war immer so gewesen. Es ist unmöglich, alle zu kontrollieren. Der Proselytismus in Russland ist nicht unsere Politik und nicht unsere Strategie. Mehr noch. Er läuft der Politik des Heiligen Stuhls zuwider. Es ist notwendig, zu unterscheiden, wann der Orthodoxe zu einem Katholiken nach seiner Wahl werden will. Aber Derartiges kommt auch bei uns vor. Es gibt Katholiken, die zur Orthodoxen Kirche hinüberwechseln. Natürlich erfreuen uns solche Fälle nicht. Aber wir müssen die religiöse Freiheit, die Gewissensfreiheit anerkennen." (RIA)