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07-01-2005 Russland und der Vatikan
Russisch-Orthodoxe Kirche und Vatikan drehen als Koproduktion einen Film über erste Christen
2005 soll ein präzedenzloses Projekt umgesetzt werden, und zwar ein rechtgläubig-katholischer Film über die ersten Christen gedreht. Der fünfteilige Streifen, betitelt: "Wallfahrt in die Ewige Stadt" vereinigt die wissenschaftlichen und künstlerischen Kräfte der Russisch-Orthodoxen Kirche /ROZ/ und des Vatikans, Russlands, Italiens und Polens", erklärte der Patriarch von Moskau und ganz Russland Alexi II.

Dieser Historie- und Dokumentarstreifen soll erneut daran erinnern, dass gerade das Christentum die Wiege der gemeinsamen europäischen Kultur gewesen war, betonte der Patriarch. Die Umsetzung des Projekts betrachtet er als ein außerordentlich bedeutsames Ereignis. "Die neuliche Unterzeichnung der Verfassung der europäischen Gemeinschaft, in der die gesamtchristlichen Wurzeln mit keinem Wort erwähnt worden sind, gebietet nicht nur eine politische, sondern auch eine geistlich-künstlerische Antwort", betonte Alexi II. "Millionen Christen in der ganzen Welt fühlten sich durch das Totschweigen der historischen Grundlagen der Welt von heute beleidigt."

Der Film, für den die Dreharbeiten im Frühjahr aufgenommen werden, soll diese kulturell-religiöse Lücke ausfüllen. Er wird über die Apostel Peter und Paul, die ersten christlichen Glaubensmärtyrer, berichten. Der Schlussteil, der vom Dialog zwischen Religion und Macht handelt, ist dem Kaiser Konstantin und seiner Mutter Helene gewidmet, denen die Entdeckung der christlichen Hauptheiligtümer und die offizielle Unterstützung, die der Kirche erwiesen worden war, zu verdanken ist.

Der Regisseur des Projekts ist der zweiundfünfzigjährige Wladimir Chotinenko, der zu den Spitzenvertretern der russischen Filmkunst gehört. Seine letzte Arbeit - der patriotische Spielfilm "72 Meter", der von der Heldentat der U-Boot-Fahrer handelt, erwies sich als Kassenschlager sogar bei den jungen Menschen unter 18 Jahren. "Unsere Aufgabe bestehtdarin, die ‚Wallfahrt in die Ewige Stadt“ als einen Film für ein breites Publikum zu drehen. Die heutige Gesellschaft hat aus unbekannten Gründen Fragen der Moral ausgeklammert: Sie können in Betracht gezogen werden oder auch nicht. Kaum beginnt einer von diesen Werten offen zu sprechen, so werden gegen ihn sofort Attacken geritten oder er wird ausgelacht, wie das zum Beispiel mit dem Film von Mel Gibson ‚Die Passion Christi“ der Fall gewesen ist", erklärt der Regisseur. Die Wunder sollen greifbar und sichtbar gemacht werden. "Der Zuschauer muss an die Abdrücke der Knie des Apostels Peter auf Stein glauben" /das ist ein Heiligtum, das im Film unter anderen zu sehen sein wird/.

Der Hauptproduzent des Films "Wallfahrt in die Ewige Stadt" ist das Kirchliche Forschungszentrum des Moskauer Patriarchats "Rechtgläubige Enzyklopädie". Sergej Krawez, Chef des Zentrums und Leiter der Geschichts- und Drehbuchgruppe des Films, teilte mit: "Zum erstenmal werden für die russischen Filmschaffenden alle Katakomben und Heiligtümer des Vatikans und Roms offen stehen". Das wurde bei den Verhandlungen zwischen Vertretern des Moskauer Patriarchats und des Vatikans Ende August beschlossen, als eine Kopie der Ikone der Muttergottes von Kasan aus Rom wieder in die russische Hauptstadt gebracht worden war. Damals betonte der Patriarch von Moskau und ganz Russland Alexi II. in der Botschaft an Papst Johannes Paul II., die ihm von der zurückgekehrten katholischen Delegation überbracht wurde, dass er an die Wiederherstellung der guten Beziehungen zur katholischen Kirche glaube, und dass die Russisch-Orthodoxe Kirche immer und unabänderlich ihre Bereitschaft erklärt habe, diese Beziehungen im Geiste der aufrichtigen Zusammenarbeit zu entwickeln.

Somit erfüllt das neue Filmprojekt nach der Idee seiner Urheber nicht nur eine aufklärerische, sondern auch eine politische Mission, die Mission der Annäherung der beiden Kirchen. Alexi II. erinnerte in seinen Ansprachen wiederholt mit Sehnsucht an "die Zeit der alten Kirche, da zwischen dem Osten und dem Westen keine Trennlinie bestand, die wir heutzutage mit Betrübnis beobachten".

Der Vatikan ist am Projekt in gleichem Maße wie eine Reihe von russischen staaatlichen Einrichtungen, z.B. die Föderale Agentur für Kultur und Filmwesen, interessiert. Die Föderale Agentur für Presse und Massenkommunikationsmittel unterstützt "alle weltlichen Projekte, die auf der Grundlage der rechtgläubigen Weltanschauung, die die russische Kultur hervorgebracht hat, erarbeitet werden. Das erklärte Michail Seslawinski, Chef der Agentur, im November. Er bezeichnet solche Sendungen und Filme als sozial bedeutsam und folglich auch als vorrangig. Nebenbei gesagt, gibt es heute im Fernsehen recht viele solche Programme und sogar das Internationale Festival der Fernseh- und Rundfunkprogramme "Radonesch" und das Internationale Festival der rechtgläubigen Massenmedien "Glauben und Wort". Das heutige rechtgläubig-katholische Projekt "Wallfahrt in die Ewige Stadt" ist vielversprechend und ambitiös. Die Arbeit wird ein gemeinsamer künstlerischer Rat von Vertretern der Russisch-Orthodoxen Kirche und des Vatikans abnehmen. Ob es die politischen Hoffnungen rechtfertigen wird, wird vor nächsten Weihnachten fest stehen. Denn gerade zu dieser Zeit soll es den Zuschauern geschenkt werden. (Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA Nowosti)