OPCW widerlegt Lawrows Vorwurf im Fall Skripal – Russland bleibt skeptisch

Wie nach westlichen Medien auch Interfax und Wedimosti meldeten, haben Experten der OPCW kein aus dem Westen stammendes Nervengift BZ in den in Salisbury entnommenen Proben gefunden, sagte der Generalsekretär der OPCW, Ahmet Üzümcü. Das widerspricht Aussagen des russischen Außenministers Sergei Lawrow, Experten aus der Schweiz hätten die Verwendung von BZ in Salisbury identifiziert.

Wahr ist, dass einer Kontrollprobe eine Vorläufersubstanz von BZ beigemischt wurde. Das entspricht der normalen Praxis der OPCW, die jeweils drei verschiedene Proben verschickt: eine negative Kontrollprobe ohne die gesuchte Substanz, die echte Probe und eine positive Kontrollprobe, die ein anderes Gift enthält. Dieses Vorgehen dient der Qualitätssicherung, da die beteiligten Institute auf diese Art nicht wussten, welches die Probe aus Salisbury war.

Russland als Mitglied der OPCW kennt diese Verfahren, spätestens aus dem vertraulichen OPCW-Bericht zum Fall Skripal, der in seiner Vollversion des Berichts ohne vorherige Veröffentlichung an die Mitgliedsländer der Organisation verschickt wird. Dennoch verstieg sich Lawrow zu der abenteuerlichen Aussage, der BZ-Befund aus der Kontrollprobe sei auch auf die echte Probe übertragbar.

An der „Irrelevanz dieser Behauptung“ NZZ konnten im Außenministerium keine Zweifel bestehen. Da stellen sich Fragen – ist Lawrow nicht faktensicher, haben ihn seine Experten mit diesem Detail aufs Glatteis geschickt oder hat er bewusst in die Trickkiste der Desinformation gegriffen, um „die Integrität der Untersuchung in Zweifel ziehen“.

Russland dürfte sich mit dieser Taktik geschadet haben. Während der OPCW-Sitzung am Mittwoch wiederholten die Repräsentanten der EU-Länder ihre Auffassung, dass Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit den Anschlag von Salisbury zu verantworten habe. Mit dieser Desinformation „lenkt Russland den Verdacht im Fall Skripal auf sich selber“.

Der russische Außenminister Sergej Rjabkow sagte Interfax , dass der vollständige Bericht der OPCW über den Vorfall in Salisbury keine Bestätigung der Londoner Version einer russischen Beteiligung an der Vergiftung von Sergey und Julia Skripal enthalte.

Eine Vertreterin der Regierung in Bern brachte ihr Unverständnis über die Aussagen Lawrows zum Ausdruck. Sie kritisierte, dass Russland sich auf das Labor Spiez berufen hatte, und wies dies als unstatthaft zurück. Das russische Vorgehen schwäche die Glaubwürdigkeit der OPCW und sei absolut inakzeptabel, erklärte sie weiter. Im Jahr 2013 erhielt die OPCW den Friedensnobelpreis.

Generalsekretär Üzümcü äußerte sich diplomatisch, doch machten seine Worte klar, dass der Vorwurf von Lawrow jeglicher Grundlage entbehrt – die von den Referenzlabors entdeckte BZ-Vorläufersubstanz habe nichts mit den in Salisbury gesammelten Proben zu tun.

Moskau ist skeptisch, was die Erklärung der OPCW im Fall Skripal, insbesondere bei den Proben die BZ Substanzen enthalten, angeht.

„Die Erklärungen des Technischen Sekretariats des OPCW-Managements sehen wir mit Skepsis, weil sie nicht zusammen passen mit den Daten, die wir als Ergebnis des Analyseberichtes des OPCW haben, der die Substanz BZ enthält. Es ist, gelinde gesagt, umstritten,“ sagte die offizielle Vertreterin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa.

„Um ein vollständiges Bild zu erhalten, sollten daher Analysen aller von der OPCW für die Forschung zugelassenen Laboratorien durchgeführt werden. Um dieses Spiel in Katz und Maus zu stoppen und schließlich alle verfügbaren Daten zu öffnen“, sagte sie.

[hub/russland.NEWS]

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