Offene Aggression im ukrainischen Geheimdienst-Emblem

Foto: president.gov.uaFoto: president.gov.ua
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Kiew – Anscheinend drehen die Verantwortlichen in Kiew jetzt, pardon, endgültig am Rad. Das neue Geheimdienst-Emblem zeigt eine Eule mit einem Schwert, das Russland durchbohrt. Noch deutlicher kann man seine Aversionen gegenüber seinem Nachbarland wohl kaum zur Schau stellen. Wo aber bleibt die Reaktion der Hüter der Moral?

Allmählich dürften die Mitleidstränen für die, ach wie arme und vom Schrecken des kriegslüsternen Nachbarn gebeutelte, Ukraine immer mehr versiegen. Selten sah man eine derart plakativ präsentierte Aggression in solch provokanterer Vollendung. Nicht genug, dass die geforderte Waffenruhe im Osten des Landes permanent von den Truppen aus Kiew be- oder gar verhindert wird, nun kommt auch noch die hässliche Fratze der offen demonstrierten Feindseligkeit hinzu. Vergebens wartet man auf einen Aufschrei der Empörung bei denen, die für sich die Moral proklamieren.

Das Foto mit dem neuen Emblem des ukrainischen Geheimdienstes erschien das erste Mal am 24. Oktober auf der Internet-Seite des Präsidenten in der Öffentlichkeit. Vorgestellt wurde in erster Linie allerdings nicht das aufschlussreiche Logo, sondern mit Wasili Burbo der neue Oberst der Hauptverwaltung für Aufklärung im ukrainischen Verteidigungsministerium. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass diese Ernennung der Tätigkeit der militärischen Aufklärung der Ukraine einen neuen Impuls geben wird“, sagte der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko bei seiner Laudatio.

Für ihn habe sich die Arbeit des Ressorts für Aufklärung in den letzten drei Jahren deutlich verbessert. Inwieweit die Erwartungen an künftige Erfolge mit dem neuen Emblem verknüpft sind, bleibt der Phantasie überlassen. Ans Licht gebracht wurde die fragwürdige Abbildung auf der Web-Seite „defence.ru“. Zu sehen ist die nördliche Weltkugel, auf der Russland als einziges Land grau markiert ist. Darüber prangt eine Eule, die in stolzer König Artus-Pose ein Schwert in ihren Klauen hält, welches auf die Mitte Russlands gerichtet ist.

Für Poroschko sei Russland ohnehin, das sagte er zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine, nur an einer instabilen und unsicherenWelt mit der Ukraine als Teil des „russischen Reiches“ interessiert. „Russland braucht nicht Donezk oder Lugansk. Sie brauchen mein ganzes Land als Teil des russischen Reiches“, zürnte der ukrainische Staatschef. Mit dem Geheimdienst-Emblem wird die Geschichte dann auch rund, denn über dem Emblem steht sinnigerweise noch der markige Spruch „Ukraine über alles“. Und das erinnert nun doch sehr unangenehm an deutsche unselige Zeiten, als es noch hieß: „Deutschland, Deutschland über alles…“

[mb/russland.RU]

 

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.