Norwegen greift Russland mit Steinen an

Foto: Wikipedia/Adrian Lombardo CC BY 2.0 via FlickrFoto: Wikipedia/Adrian Lombardo CC BY 2.0 via Flickr
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An der norwegisch-russischen Grenze hat sich am vergangenen Sonntag ein Grenzzwischenfall der besonderen Art ereignet. Nicht dass die Norweger über keine Streitkräfte verfügen würden, aber dieser Angriff erfolgte, ganz nach prähistorischen Gepflogenheiten, mit Steinen. Vier Personen konnten daraufhin festgenommen werden.

Wobei, das alles hört sich wesentlich dramatischer an, als es am Ende wirklich war. Dennoch haben die örtlichen Behörden unverzüglich reagiert. Bei den vier Festgenommenen handelte es sich lediglich um Privatpersonen zwischen 15 und 40 Jahren, die offenbar aus Jux und Tollerei gehandelt haben. Die Vier waren sich der Konsequenzen für ihr Handeln vermutlich nicht bewusst, heißt es aus Sicht der Polizei.

„Das ist ein Verstoß gegen die Grenzgesetze und wird als beleidigendes Verhalten eingestuft“, sagt Thomas Pettersen, der Sprecher der Polizeiverwaltung des Verwaltungsbezirks Finnmark, im äußersten Nordosten des Landes. Pettersen zufolge wollen die Festgenommenen nichts von dem Gesetz gewusst haben. Handlungen wie das Werfen von Steinen in Richtung eines anderen Staates werden in der Regel als aggressiv und beleidigend eingestuft.

Das Verhalten der festgenommenen norwegischen Bürger, so Pettersen, war höchstwahrscheinlich nicht einmal politisch motiviert. Nach eigenen Angaben hätten die Vier überhaupt keine negative Emotionen gegenüber Russland. „Sie konnten ihr Tatmotiv nicht ausführlich erklären, ihr Gedankenablauf sah wohl folgendermaßen aus: „Seht mal, wie nah von uns die Grenze verläuft. Sie ist so nah, dass man sogar einen Stein auf die andere Seite werfen kann“, so der Polizeisprecher.

Ein Nachspiel wird die Aktion für die vermeintlichen „Attentäter“ dennoch haben. Die norwegische Justiz sieht für derlei „Späße“ durchaus empfindliche Strafen vor. Den Tätern winken Geldstrafen von 1.000 bis 10.000 norwegische Kronen, das entspricht in etwa 100 bis 1.000 Euro. Zudem steht eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Monaten im Ermessensspielraum der Justiz.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.