Neues Altes vom Lexikus-Verlag – Die erste Phase des Aufstandes der Kosaken unter Chmielnicki in den Jahren 1648-1649

Neues Altes vom Lexikus-Verlag – Die erste Phase des Aufstandes der Kosaken unter Chmielnicki in den Jahren 1648-1649

Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde bei der Philosophischen Fakultät der Universität zu Leipzig

Autor: Nuoffer, Franz (1839- ?), Erscheinungsjahr: 1869

Zur richtigen Würdigung der zu beschreibenden Ereignisse in der Ukraine sind wir genötigt, Einiges über die Einwohner dieses Landes und ihr Verhältnis zur Krone Polen vorauszuschicken.

Die Gegenden der Ukraine und Podoliens, welche an das Gebiet der Perekopischen oder Krimtataren grenzten, waren fortwährend den Einfällen dieser raublustigen Horden ausgesetzt, die das Land plünderten, die Produkte desselben raubten und Männer, Frauen und Kinder in die Gefangenschaft schleppten, um sie dann weiter als Sklaven zu verkaufen. Durch diese Einfälle und Wegführungen wurde die ohnehin schwache, vorherrschend ruthenische Bevölkerung so bedeutend gelichtet, dass bald große Strecken Landes völlig unbewohnt und herrenlos dalagen.

Da nun die Ländereien besagter Provinzen die fruchtbarsten waren, und die Besitznahme so leicht erfolgen konnte, weil sich jeder ein Grundstück als res nullius iure primi occupantis aneignen konnte, so kann es uns nicht wundern, wenn, durch solche Vorteile gelockt, trotz der drohenden Tatarengefahr in jenen weitausgedehnten Ebenen neue Ansiedelungen entstanden und sich dort allmählich fremde Elemente festsetzten. Diese neue Bevölkerung bestand hauptsächlich aus Einwanderern aus dem Kronlande Polen und aus Litauen.

Es waren einerseits, und zwar zum größten Teile, arme Edelleute, die, entweder weil sie in der Heimat keinen Raum gehabt hatten, oder von Tatendurst getrieben wurden, in die Ukraine auswanderten, um sich dort eine Existenz zu gründen und den neuen Besitz im Kampfe gegen die Tataren zu behaupten, es waren andrerseits aber auch Bauern aus denselben Ländern, die sich dem Drucke der Großen entzogen und in der Ukraine einen freien Besitz gründeten.

Schon konnte Kromer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schreiben, dass in den südlichen Gegenden Rutheniens mehr der polnische als der ruthenische Dialekt gesprochen werde, da sich wegen des fruchtbaren Landes und des Kampfes mit den Tataren viele Polen dort ansiedelten.

Als die Republik Polen in diesen Gegenden das Übergewicht bekommen hatte und die Konstitution von 1590 es dem König erlaubte, große Strecken der puszcza hinter Bialocerkiew ohne Weiteres an Männer, die sich um den Staat verdient gemacht hatten, zu verschenken, verteilte Sigismund III. an die Familien der Ostrogscy, Wisniowieccy, Kalinowscy, Koniecpolscy und Anderer bedeutende Territorien in der Ukraine, zu denen diese Magnatenfamilien, deren Schwerpunkt trotzdem immer im Kronlande und in Litauen blieb, durch Versprechung vieler Freiheiten Bevölkerung herbeizuziehen suchten. Die Grundstücke wurden den Kolonisten entweder ganz lastenfrei zuerteilt oder sie sollten es wenigstens auf die Dauer von 20 Jahren sein, nach Verlauf welcher Zeit ein ganz geringer Zins gezahlt, nie aber Frondienste geleistet wurden. Die größte Kolonisation in der Ukraine seitens der Polen hatte in den Jahrzehnten vor dem Aufstande des Chmielnieki unter dem Könige Ladislaus IV. Statt.

Quelle: http://www.lexikus.de/bibliothek/Die-erste-Phase-des-Aufstandes-der-Kosaken-unter-Chmielnicki-in-den-Jahren-1648-1649

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