Münchner Sicherheitskonferenz: Allerwertester, Hintern oder Arsch

Der republikanische Politiker Lindsey Graham ist für seine scharfen Töne bekannt. Bei den Republikanern gilt der US-Senator Graham neben John McCain gilt als einflussreicher Trump-Kritiker. Wegen der mutmaßlichen Beeinflussung der US-Wahlen durch Russland fordert er unentwegt von seinem Präsidenten harte Konsequenzen gegenüber Russland. In einer Kongressanhörung vor Armeespezialisten in Sachen ‚Bedrohungen aus dem Netz’ polterte er zu Beginn des Jahres in Richtung Russland „man solle es statt mit Kieseln mit Steinen bewerfen.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz legte er am Sonntag unter Applaus des offenbar ziemlich transatlantisch geprägten Publikums nach: „2017 werden wir Russland in den ‚ass’ treten.“

In dem Sprachschatz gestützten Wörterbuch Linguee wird ‚kick in the ass’ als echter oder kleiner Tritt in den Hintern übersetzt. Ein Arsch ist im Lexikon nicht zu finden – dafür ein Allerwertester. Am Sonntagmorgen im Newsticker der BILD tritt Lindsey Graham folgerichtig in Russlands Hintern – wenn auch (mit Springer-Stiefeln?) richtig: „2017 ist das Jahr, wo wir Russland richtig in den Hintern treten müssen.“ SPIEGELonline reicht diese ohne dramatische Formulierung nicht. Das Qualitätsmedium greift in die Kiste des fäkalen Boulevardjournalismus und lässt den Kongress in Russlands Arsch treten. Gemeint sind Grahams Versuche, im US-Kongress eine Mehrheit für schärfere Sanktionen gegen Russland zu finden.

Dabei hatte der Hardliner aus South-Carolina auch wichtigeres zu verkünden. Mit seiner medienfreundlichen Bemerkung „Wir alle werden die Presse unterstützen“ setzte er sich erneut von Trumps regelmäßiger Medienschelte ab. Die Medien seien „kein Feind des Volkes“ sondern manchmal nur ein „Ärgernis“. In demokratischen Gesellschaften brauche man unabhängige Journalisten, so Graham. Der Republikaner schlug sogar einen medialen ‚Nato-Pakt’ mit den Demokraten vor: „Ein Angriff auf eine Partei ist ein Angriff auf alle.“

Diesen Verzicht auf Säbelgerassel sollten sich die beiden Großmächte zu Herzen nehmen. Im gemeinsamen Angriff sollten sie ihre innenpolitischen Probleme aus eigener Kraft angehen statt Außenpolitik zu Lasten anderer zu betreiben.

[hub/russland.NEWS]

 

 

 

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