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01-09-2004 Metroanschlag 31.8.2004
Tschetschenische Marionetten
Die Gräber sind noch frisch, in denen die Opfer der beiden Flugzeugabstürze am vergangenen Freitag in Russland ruhen, da wurden gestern Abend bei einem Bombenanschlag in Moskau zehn Menschen getötet und über fünfzig verletzt.

Menschen, die auf dem Weg von der Arbeit nach Hause oder im Supermarkt einkaufen wollten. Eine Selbstmordattentäterin hatte – nach bisherigen Erkenntnissen – inmitten der Menschenmenge die tödliche Ladung an ihrem Leib gezündet, genau so wie die beiden Frauen in den Flugzeugen.
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Schwerpunkt Metroanschlag am 31.8.2004 – Nachrichten, Hintergründe, Reportagen und Analysen.
In beiden Fällen hat per Internet die der Al.Khaida nahe stehende Gruppe „Islambuya“ die Verantwortung übernommen und die Bombenexplosionen als Heldentaten gefeiert. Die Zeitpunkte für die Todesaktionen waren nicht zufällig gewählt: wenige Stunden vor den erneuten Präsidentenwahlen in Tschetschenien und gestern, zum achten Jahrestag der Unterzeichnung des Abkommens von Chasvurt zwischen dem damaligen russischen Sicherheitschef Alexander Lebed und Aslan Maschadow zur Beilegung des Tschetschenien-Konflikts, an das sich beide Seiten nie wirklich gehalten haben und das mit Beginn des zweiten Krieges 1999 nur noch Makulatur war.

Seither gab es immer wieder Angriffe bewaffneter tschetschenischer Gruppierungen auf zivile Objekte in Russland, wie das Krankenhaus von Wladikawkas, auf die Moskauer Metro, auf ein Rockkonzert in der russischen Hauptstadt und das vollbesetzte Danilow-Theater.
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Schwerpunkt Flugzeugabstürze am 24.8-2004 – Nachrichten, Hintergründe, Reportagen und Analysen.
Für ein Gleichgewicht des Schreckens sorgten immer wieder die russischen Truppen bei ihren „Säuberungen“ in der kaukasischen Teilrepublik.

So erzeugte Gewalt immer wieder Gegengewalt und doch haben die terroristischen Aktionen in Russland nach dem 11. September 2001 eine neue Qualität erreicht. Der Kampf der Tschetschenen für eine Unabhängigkeit von Russland war lange von diesem weltlichen Ziel geprägt und hatte kaum etwas mit Religion zu tun. Als aber islamische Extremisten überall auf der Welt im Namen Allahs zum bewaffneten Kampf gegen die Ungläubigen und ihre Helfer aufriefen und den Terror organisierten, erschien ihnen Tschetschenien als ideales Feld für die Umsetzung ihrer Herrschaftsansprüche. In der Bevölkerung, und besonders unter den Frauen – die am meisten unter dem Krieg zu leiden hatten – fanden sie ein dankbares Publikum für ihre Thesen vom Heiligen Aufstand gegen die Heiden.

Damit hat die russische Politik der Härte den Boden bereitet für die Saat des internationalen Terrorismus, der die Tschetschenen mit ihren Freiheitsbestrebungen wie Marionetten benutzt, um seinen eigenen Herrschaftsanspruch durchzusetzen. So werden wir uns vermutlich an Schreckensmeldungen aus Russland über terroristische Anschläge ebenso gewöhnen müssen, wie an jene aus Jerusalem oder Bagdad.

Aber vielleicht schaffen es die mit Vernunft ausgestatteten Kräften beider Seiten, auf einander zu- statt loszugehen. Die Welt würde es ihnen danken. (hh/.RU)