Mascha und der Bär – nun auch Kult in Deutschland [mit Video]

Russische Animationsserie erfolgreich im deutschen TV angelaufen

Schon seit 2009 ist die quirlige kleine Mascha der Liebling aller russischer Kinder – und nicht nur der Kinder, sondern auch von vielen „großen“ Animationsfans. „Mascha i Medwed“ (Originaltitel), die Geschichten eines Mädchen, das – außer ihrem Nachbar dem Bären – anscheinend alleine im Wald wohnt –  ist die erfolgreichste russische Trickserie seit Sowjettagen. Sie vereint mit viel Witz und Gefühl den Charme des russischen Märchens mit den Möglichkeiten moderner Computer-gestützter Animationstechnik, die der von Hollywood-Produktionen in nichts nachsteht.

Mascha ist sehr liebenswert, aber auch ein kleiner Nervbold. Sie liebt Süßigkeiten, kann den „Moonwalk“ und diverse Instrumente spielen, verursacht aber hauptsächlich jede Menge anarchischen Unfug. Das bekommt ihr Nachbar, der gutmütige und an sich geduldige Bär Folge für Folge zu spüren. Wenn das kleine Mädchen auftaucht, ist es mit der Bärenruhe und Behaglichkeit vorbei und das Chaos nimmt seinen Lauf. Dennoch sind beide gute Freunde. Der Bär ist übrigens ein ehemaliger Zirkusdarsteller mit vielen Auszeichnungen, kommuniziert aber dennoch nur mit Knurren und Gesten, ohne menschliche Sprache. Auch beliebte Nebenfiguren tauchen nach und nach in der Serie auf, meist in tierischer Form wie die furcherregenden Wölfe (die wiederum später vor Mascha Angst haben), der mit Mascha und dem Bären befreundete Hase oder auch mal Väterchen Frost. Auch hier wird eine Tradition aus dem klassisch-russischen Zeichentrick fortgeführt, wo nicht allzu vermenschlichte Tiere stets eine tragende Rolle spielten. Das „Tier bleiben“ in der Serie ist auch ein entscheidender Unterschied zu den meisten Produktionen aus dem Hause Disney. Die Tradition der Mascha-Erzählung an sich ist noch viel älter als die Sowjetzeit, denn „Mascha und der Bär“ ist eigentlich ein traditionell russisches Märchen, das man auch im Netz nachlesen kann:

http://www.nachrussland.de/ma/maschabaer.html

Rund um Mascha und den Bären lief in Russland in den letzten Jahren eine ganze Maschinerie an Merchandising-Artikel an, die dort bis in die letzte Kleinstadt zu haben sind – vom Puzzle über Stofftiere bis hin zum Mascha-Tablet von Samsung für Kinder. In ihrem Ursprungsland ist Mascha schon beliebter als die meisten Animationskonkurrenten aus den USA oder Japan, die in Mitteleuropa den Markt beherrschen. Die Originalsprecherin von Mascha, die mittlerweile 13jährige Alina Kukuschkin, ist ein echter russischer TV-Star und mit den Liedern und Szenen aus der Serie gern gesehener Gast in namhaften Fernsehshows. Auch in anderen Ländern Osteuropas durfte Mascha bereits vor Jahren die Rolle der sympathischen Botschafterin aus Russland spielen und ihre Serie läuft seitdem erfolgreich in der Ukraine ebenso wie in Weißrussland. Später folgten Übersetzungen für Frankreich, die Schweiz, Kanada und die Niederlande. Auch in Deutschland boomte der Handel mit mitgebrachten Mascha- und Medwed-DVDs unter der russendeutschen Gemeinde schon seit 2009. Eine eigene Mascha-Bühnenshow tourte nicht nur durch ganz Russland, sondern 2012 auch durch viele deutsche Hallen, worüber russland.TV damals berichtete (mit einem damals noch fast ausschließlich russendeutschen Publikum):

Nun dürfen endlich auch Russisch-unkundige Einheimische die Serie genießen, die frisch auf dem Kinderkanal von ARD und ZDF angelaufen ist. Leider recht früh im Vorabendprogramm, weil die öffentlich-rechtlichen Kinder-TV-Macher offenbar einer russischen Produktion keinen Erfolg zur Prime-Time zutrauen – im Falle von Mascha und dem Bären mit Sicherheit zu Unrecht. Neue Mascha-Folgen werden auf Russisch auch offiziell bei YouTube veröffentlicht und sind dann stets in der TopTen der meistengeschauten Videoclips im Land überhaupt. Unser Bericht über die Bühnenshow ist seit dem Anlaufen der Serie in Deutschland ebenfalls ein Renner auf dem Videoportal. Seinen Anfang nahm der Hype übrigens 2009 auf dem ersten russischen Kanal, also nicht in einem Spartensender, wie in Deutschland. Seitdem wurde sie auch mehrfach ausgezeichnet mit Siegerpreisen auf Animations- und Jugendfilmfestivals in Litauen, Großbritannien, Bosnien und Deutschland.

Produzent der Serie, die mittlerweile in Russland auch einen Spin-Off („Maschas Märchen“) und 36 Folgen hat, ist das Animationsstudio Animaccord. Dort werden auf einer ganzen Renderfarm von Computern mit der Software Autodesk Maya Maschas Abenteuer programmiert. Über eine Fachmesse in Las Vegas wird Mascha nun erfolgreich international vermarktet. Wer übrigens Mascha-Puppen oder ähnliche Fanware sucht: Solche gibt es in verschiedenen Variationen in Aussiedlermärkten. Gerade an der Kasse, im Nonfood- und Süßwarenbereich wird man fündig werden und kann dann seine Mascha-Schokolade, Mascha-Popcorn oder Mascha-Überraschungseier genießen.

Roland Bathon – russland.TV; Foto: (c) Agentur EuropaArts, hier verwendet mit dortiger freundlicher Genehmigung