„Maduro-Anhänger sind nicht die besten Manager“

„Maduro-Anhänger sind nicht die besten Manager“

In den neunzehn Jahren von Wladimir Putins Regierung waren Hugo Chavez und Nicolas Maduro die häufigsten ausländischen Gäste in Moskau, abgesehen von Präsidenten der postsowjetischen Länder. Chavez war achtmal in Russland und kam von 2006 bis zu seinem Tod im Jahr 2013 jährlich nach Moskau. Maduro besuchte in fünfeinhalb Jahren Moskau viermal. Putin selbst war nur einmal in Venezuela – 2010 als Premierminister.

Die Rolle der wichtigsten russischen Verbindung zu Venezuela übernahm Igor Setschin, der ab Mitte der 2000er Jahre ein bis zwei Mal pro Jahr Caracas besuchte – zuerst als Vizepremierminister und dann als Präsident von Rosneft. Ihm soll es 2008 gelungen sein, Hugo Chavez davon zu überzeugen, nach dem russisch-georgischen Krieg als einziges großes Land  die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens anzuerkennen.

Die Krim hat die venezolanische Regierung jedoch nicht anerkannt. Die Verhandlungen über eine vollwertige russische Militärpräsenz in Venezuela sind nicht weit  fortgeschritten. Um seine militärische Präsenz in der Region Lateinamerika zu demonstrieren, ließ Caracas dreimal russische Bomber einfliegen – 2008, 2013 und 2018.

Hinter den großen Worten von Völkerrecht, Putsch und Doppelherrschaft stehen natürlich wirtschaftliche Verflechtungen. Präsidentensprecher Dmitry Peskov sprach das gestern an.

Moskau und Caracas „haben viele konkrete Projekte sowohl in Bezug auf Handel als auch auf wirtschaftliche und Investitionszusammenarbeit“, an deren Aufrechterhaltung und Verbesserung „sind wir natürlich interessiert sind“.

In der Tat, die Verschärfung der Lage in Venezuela wirft die Frage nach den Zukunftsaussichten russischer Geschäftsleute auf. Moskau ist ein bedeutender Investor im Energiesektor Venezuelas und führt gemeinsame Projekte in der Ölförderung durch. Russische Unternehmen sind an mehreren Unternehmen in Venezuela beteiligt. Caracas gilt als einer der führenden Importeure russischer Waffen. Bis zur Landwirtschaft gibt es diverse Kooperationen in anderen Bereichen. Nach vorläufigen Angaben des Landwirtschaftsministeriums stieg der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Rohstoffen und Lebensmitteln zwischen Russland und Venezuela im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 um 65 Prozent.

Erst im Dezember letzten Jahres besuchte Nicolas Maduro Moskau, wo man sich auf eine Investition von 5 Milliarden US-Dollar in die Ölindustrie und die Lieferung von 600.000 Tonnen Getreide einigte. Ein wichtiges Thema ist die Versorgung der Bevölkerung Venezuelas mit modernen, hochwertigen und erschwinglichen Medikamenten. Während des Besuchs übergab ihm der stellvertretende Minister für Industrie und Handel der Russischen Föderation, Oleg Ryazantsev, die Vorschläge einer Reihe russischer Pharmaunternehmen, die am Export von Impfstoffen und Arzneimitteln nach Venezuela interessiert waren.

Zu den aussichtsreichsten Bereichen der Zusammenarbeit gehört die gemeinsame Erschließung von Erdölvorkommen. Bei der Frage, wie hoch das Gesamtvolumen der Investitionen russischer Unternehmen in die Wirtschaft dieses Landes ist, sagte die Abteilung, es sei offensichtlich, dass fast alle Investitionen in die Öl- und Gasindustrie getätigt wurden.

In den letzten 20 Jahren haben die russische Regierung und staatliche Unternehmen in Venezuela mindestens 17 Milliarden US-Dollar in Form von Regierungskrediten und Investitionen in lokale Projekte investiert. Der größte Investor war Rosneft, aber auch andere staatliche Unternehmen investierten in Venezuela. Die Zeitung The Bell veröffentlichte diese Zahlen mit dem Hinweis, die Höhe der Investitionen spiegeln das strategische Interesse Moskaus an Venezuela als einzigem Verbündeten Russlands in dieser Region.

Die wichtigsten venezolanischen Investitionen von Rosneft bestehen in Darlehen an die staatliche Ölgesellschaft PDVSA. 2016 begann Rosneft mit der Vorauszahlung der Öllieferungen für PDVSA. Insgesamt gewährte das Unternehmen dem venezolanischen Staatsmonopol damit ein Darlehen in Höhe von 6 Milliarden Dollar. Als sich die Öllieferungen verzögerten, musste Igor Setschin im Dezember 2018 nach Caracas fliegen, um die Ursache für Verzögerungen zu erfahren. Im Gegensatz zu Russland wurde venezolanisches Öl termingerecht nach China geliefert.

Seit 2001 stellt Rosoboronexport Venezuela Darlehen für den Kauf russischer Waffen zur Verfügung. Im Jahr 2013 schätzte Anatoly Isaikin, der Chef der staatlichen Körperschaft, das Gesamtvolumen der Verträge auf 11 Milliarden US-Dollar. 2006 hat Rosoboronexport zugestimmt, 474 Millionen US-Dollar in den Bau von Anlagen zur Herstellung von Kalaschnikow-Sturmgewehren und -patronen in Venezuela zu investieren. Während des Baus der Anlage kam es zu Diebstählen und so wurde der Weiterbau für mehrere Jahre ausgesetzt.

KAMAZ und Avtovaz wollten eine Montageproduktion in Venezuela hochziehenaber die Projekte beider Unternehmen kamen nicht zustande. Auch Rusal wollte in Venezuela ein Werk bauen, das Projekt wurde nicht umgesetzt.

Neben Öllieferungen erhielt Rosneft für Darlehen an PDVSA im Gegenzug Minderheitsbeteiligungen an fünf Joint Ventures zur Erschließung von Ölfeldern. Das Unternehmen erhielt außerdem einen 49-prozentigen Anteil an der venezolanischen Citgo-Raffinerie in den Vereinigten Staaten als Sicherheiten für eines der Darlehen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Inzwischen streitet man sich vor einem US-amerikanischen Gericht um die Pfandrechte.

Venezuela ist Russlands Partner bei der OPEC+, aber wie Energieminister Alexander Novak sagte, werden die Mitglieder der Vereinbarung zur Begrenzung der Ölförderung keine Dringlichkeitssitzung im Zusammenhang mit der Situation in Caracas einberufen.

Die Reaktion des Ölmarktes auf die Ereignisse in Venezuela war bisher recht zurückhaltend. Am 24. Januar, in der ersten Hälfte des Tages, rutschte Brent-Rohöl um etwa einen Dollar je Barrel ab, bewegte sich dann aber in die entgegengesetzte Richtung.

Die weiteren Perspektiven für das Inlandsgeschäft in Venezuela werden nicht nur von den Entwicklungen vor Ort abhängen, sondern auch von der Position, die Moskau einnehmen wird, ist sich der Chef des russischen Rates für internationale Angelegenheiten, Andrej Kortunow, sicher.

Nur auf Maduro zu setzen, erhöht das Risiko, in der venezolanischen Wirtschaft an Boden zu verlieren. Eine ausgeglichene Position gib erhält auf jeden Fall Chancen, Präsenz aufrechtzuerhalten. Aber wir werden uns auf einen verstärkten Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern einstellen müssen, so der Experte.

Wenn das Maduro-Regime nach den Unruhen nicht wieder aufsteht, wird es möglich sein, sich von der 20-jährigen Anstrengung zu verabschieden. Auch die Rückgabe aller Kredite ist unwahrscheinlich.

„In diesem größten Ölreserven-Land sinkt die Menge an Schwarzgold in Rekordzeit“, beklagte der Generaldirektor des National Energy Institute, Sergey Pravosudov, gegenüber Izvestia. Das liegt laut ihm auch am schlechten Management der Ölindustrie. „Maduro-Anhänger sind nicht die besten Manager.“

[hub/russland.NEWS]

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