Lockruf des Geldes

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Noch vor Jahresfrist hätte der russischen Wirtschaft nichts Besseres widerfahren können als ein schwacher Rubel. Bis Ende 2013 galt die Währung als überbewertet, sodass die Wettbewerbsposition russischer Anbieter auf den Weltmärkten darunter litt. Zugleich sorgte ein florierender Öl- und Gasabsatz für einen Importboom, nicht allein bei Konsum-, ebenso bei Industriegütern in fast allen Branchen.

Die Rohstoffausfuhren subventionierten die Einfuhren – die Ressourcen- ersetzte eine innovative Ökonomie. Die Regierung in Moskau war daher bereits alarmiert, als der Ölpreis Mitte 2014 auf 85 Dollar pro Barrel (159 Liter) fiel und nicht wie jetzt auf teils 50 Dollar abtauchte. Verlässlich wirkende Prosperitätsgarantien konnten sich schnell verflüchtigen.

Inzwischen gelten sehnsüchtige Blicke dem verarbeitenden Gewerbe und dem oft verfemten Industrialisierungsgrad der Sowjetunion, doch vergeblich. Quer durch alle Zweige, vom Maschinenbau bis zur Feinmechanik, gingen von 1992 bis 2013 10,5 Millionen Arbeitsplätze verloren, auch wenn sich im letzten Jahrzehnt der Trend zur De-Industrialisierung verlangsamt hat. Die Folge einer relativ hohen staatlichen Investitionsrate von 21,5 Prozent, die besonders der Hafenwirtschaft, Werft- und Rüstungsindustrie zugutekam. Da der russische Staat bis 2013 knapp die Hälfte seiner Einnahmen aus den Öl- und Gasausfuhren schöpfte, bleibt nun aber abzuwarten, ob sich diese Quote halten lässt. Keine Frage, sie wäre auf dem gewohnten Niveau unverzichtbar, um eine Rezession einzudämmen, die 2015 zu Verlusten von vier Prozent bei den Realeinkommen führen kann.

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