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28-12-2012 Kaliningrad
Das 13. Jahr in diesem Jahrhundert – Kaliningrader Optimismus
[von Uwe Niemeier] Es gibt internationale Traditionen, die niemals einer Modernisierung unterliegen: Zum Jahresende wird Rückschau auf das Vergangene gehalten und man versucht, Gutes für das neue Jahr zu erahnen. Auch in diesem Jahr wird es den Klassiker wieder tausendfach geben, in allen gesellschaftlichen Bereichen. Was hat es uns Kaliningradern, egal ob Russe oder Deutscher, gebracht und auf was können wir im Jahre 2013 hoffen, insbesondere im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland?

Welche bemerkenswerten Veränderungen hat es im nun ausklingenden Jahr sowohl wirtschaftlich wie auch politisch im Verhältnis Deutschland zu Kaliningrad gegeben? Es fällt schwer, etwas zu finden. Dass es nun seit dem Sommer einen Verkäufer von deutschem Softeis in Kaliningrad gibt, ist zwar gut, aber für die Entwicklung der ökonomischen Beziehungen zwischen Deutschland und Kaliningrad von nicht einschneidender Bedeutung.

Gut, BMW hat im Rahmen von Avtotor seine Aktivitäten erweitert. Und weiter? Ein paar politische Delegationen, auch mit Wirtschaftsvertretern waren in Kaliningrad. Gibt es praktische Resultate? Noch ist nichts zu sehen. Vielleicht braucht es noch ein wenig Zeit? Aber für einen Geschäftsmann gilt der Spruch „Zeit ist Geld“ und es steht die Frage, wie lange sich deutsche Geschäftsleute noch Zeit lassen wollen für ein Engagement in Kaliningrad.

Warum sind eigentlich so wenig Deutsche hier? Es gibt weder politische noch wirtschaftliche Hemmnisse, die einen Deutschen daran hindern, alleine oder mit russischen Partnern hier aktiv zu werden. Man muss ja nicht gleich eine Aktiengesellschaft gründen. Für viele klein- oder mittelständische Unternehmen gibt es Chancen – insbesondere im Dienstleistungssektor.

Vermutlich ist Kaliningrad mit seinen Möglichkeiten zu wenig in Deutschland bekannt. Viele Nachrichten, die über Kaliningrad verbreitet werden, sind in Grautönen gehalten und spiegeln nicht die Realität wider. Nun haben wir seit Ende September einen neuen deutschen Generalkonsul in Kaliningrad. Vielleicht sollten wir dies als interessantes politisches Ereignis im ausgehenden Jahr 2012 werten.

Die öffentlichen Auftritte und persönlichen Treffen von Herrn Dr. Krause geben Anlass zu hoffen, dass wir jetzt einen Vertreter Deutschlands in Kaliningrad haben, der aktiv an der Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit interessiert ist. Er spricht über den Aufbau eines real funktionierenden Business-Netzwerkes, mit Praktikern, die interessierten deutschen Investoren bei den Start-up-Schritten alle notwendigen Hilfen leisten können.

Seitens der Kaliningrader Regierung wurde eine regierungseigene Aktiengesellschaft „Kooperation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebietes“ im April dieses Jahres ins Leben gerufen, welche sich ebenfalls auf die Fahnen geschrieben hat, Investoren aktive praktische Hilfe zu leisten. Warum soll diese Kooperation nicht Partner des deutschen Business-Netzwerkes werden? Das wäre doch ein erster guter Schritt im Jahre 2013 in der Weiterentwicklung der deutsch-russischen Zusammenarbeit.

Während des Deutsch-Russischen Wirtschaftskreises am 27.11.2012 im Deutsch-Russischen Haus trat der neue Minister für Ökonomie, Herr Amstel vor Vertretern der deutschen Wirtschaft auf. Kurz und prägnant seine Darlegungen – und souverän seine Antworten auf unterschiedlichste Fragen der deutschen Geschäftsleute. Bei den Gästen entstand der Eindruck, dass er sich schon recht schnell in seine Funktion eingearbeitet hat. Und die Deutschen suchten den Kontakt zu ihm. Warum sollte so eine gegenseitige Bereitschaft nicht im Jahre 2013 intensiver genutzt werden? Zumal sein Stellvertreter, Herr Gorodkow, in Deutschland studiert hat, perfekt deutsch spricht, sehr gute Detailkenntnisse über Deutschland und seine Menschen hat und den Kontakt zu Deutschen sucht.

Die Deutschen sind in Kaliningrad hoch angesehen – weil sie, so sagt der Russe, pünktlich sind, diszipliniert, qualitätsbewusst, ehrlich, na und noch einige andere Superlative. Auf gehts – sollen die Deutschen es jetzt beweisen, dass das alles stimmt, was man über sie so spricht. Wir haben in der Kaliningrader Regierung noch weitere, sehr gut Deutsch sprechende Mitarbeiter. Warum kann man mit diesen deutsch-sprechenden Regierungsmitgliedern keine Expertenkommission gründen zur gezielten Gewinnung deutscher Unternehmer für Kaliningrad?

Im Gegenzug haben wir den ausgezeichnet russisch sprechenden Leiter der Hamburger Handelskammer, Herrn Dr. Stein hier in Kaliningrad. Zusammen muss es doch möglich sein, deutsche Investoren von der interessanten Aufgabe eines Engagements in Kaliningrad zu überzeugen. Und da das Ganze auch noch Unterstützung findet im deutschen Generalkonsulat ist dies ein nächster positiver Punkt für das Jahr 2013.

Auch wenn das Jahr 2018 als Austragungsjahr für die Fußball-Weltmeisterschaft noch sechs Jahre entfernt ist – aber was sind schon sechs Jahre? 2013 müssen wir anfangen – wenn alles bis zum Beginn der Spiele tip-top fertiggestellt sein soll. Und bis zu den Gouverneurswahlen im Jahre 2015 verbleiben noch drei Jahre – eigentlich nicht viel. Und die Wiederwahl des Gouverneurs, wenn sie denn stattfindet, wird davon abhängen, welche realen Erfolge er der Kaliningrader Bevölkerung präsentieren kann. Da er in den letzten Monaten Schritt für Schritt die komplette Regierung ausgewechselt hat, kann man davon ausgehen, dass die jetzige „Mannschaft“ fast den Idealzustand darstellt und wir nun erfolgreich das Jahr 2013 angehen können.

Wir sollten aber nicht nur über das Geldverdienen reden. Kultur spielt im Leben der Russen und Deutschen natürlich eine Rolle. Und da fällt einem sofort das Deutsch-Russische-Haus in Kaliningrad ein. Eine, seit Anfang der 90er Jahre bestehende Einrichtung mit aktiven Leuten. Vielleicht lässt sich hier, über ein noch intensiveres kulturelles Engagement Deutschlands, gemeinsam mit dem deutschen Generalkonsulat, auch einiges an Fortschritt im gesellschaftlichen Verhältnis zwischen Deutschen und Russen erreichen? Wie wäre es mit monatlichen Treffen von Deutschen und Russen? In lockerer Gesprächsrunde könnte man sich über aktuelle Tagesthemen austauschen und Gedanken und Ideen zur Lösung von Problemen in sachlicher Form äußern. Auch das bringt uns im gegenseitigen Verstehen näher. So etwas Ähnliches gibt es auch im ganz großen Rahmen – der St. Petersburger Dialog. Na gut, der lief in diesem Jahr nicht besonders glücklich. Vielleicht finden aber wir hier in Kaliningrad eine kleinere, aber glücklichere Variante? Das Deutsch-Russische-Haus ist sicher ein guter Gastgeber.

Und, vielleicht haben wir noch ein positives Ereignis im Jahre 2013. Der Umzug des deutschen Generalkonsulats in die Adresse „Thälmana 14“. Ein langes Kapitel von Kauf, Bau und Instandsetzung würde damit ein Ende nehmen und im neuen Gebäude ist bestimmt auch mehr Platz für neue Ideen.

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