Erdogan: Ein Russe ist der größte Erdöl-Kunde des IS

Foto: Kremlin.ru CC BY-SA 3.0Foto: Kremlin.ru CC BY-SA 3.0
image_pdfimage_print

Na bitte, da haben wir´s. Der türkische Präsident persönlich hat der empörten Öffentlichkeit mitgeteilt, dass er weiß, wer Erdöl vom so genannten „Islamischen Staat“ kauft, der so seine Kriegskasse auffüllt, und über die syrisch-türkische Grenze bringt.

Denn dass es diese Warenbewegungen gibt, ließ sich nicht länger verheimlichen. Aber die Schmuggler sind keine Türken, nein, natürlich nicht, und erst recht keine Leute aus Erdogans Umgebung, wie die Russen behaupten. Ein Syrer ist es, klar doch, dazu noch mit einem Pass der Russischen Föderation. „Der größte Käufer von Erdöl beim „Islamischen Staat“ heißt George Chaschrawi ist syrischer und russischer Staatsangehöriger. Das hat das amerikanische Finanzministerium mitgeteilt“, so das türkische Staatsoberhaupt gestern auf einem Gewerkschaftskongress in Ankara.. Und was die Amerikaner sagen, stimmt bekanntlich immer.

In der Tat hat die US-Regierung am 25.11.2015 einen gewissen George, allerdings mit Nachnamen Hassuani, in die Sanktionsliste aufgenommen, mit der Anschuldigung, seine Firma HESCO Engineering and Construction Co. verkaufe an das Assad-Regime beim IS erworbenes Erdöl. Vielleicht meinte Erdogan diesen Geschäftsmann und seine Mitarbeiter haben den Namen nur falsch abgeschrieben.

Warten wir es ab, der türkische Präsident hat versprochen, demnächst Beweise für seine Behauptung vorzulegen. Aber vielleicht kommen ihm die Russen zuvor. Das russische Verteidigungsministerium ist seinerseits überzeugt, dass Erdogan und seine Familie in den Erdölhandel mit dem IS verwickelt ist. Allerdings wisse man noch nicht, teilte Jurij Uschakow, Berater des russischen Präsidenten, mit, ob man Ankara die Beweise dafür übergebe. Das klingt auch nicht gerade nach harten Fakten.

Es ist schon so: Wenn zwei potenzielle Freunde sich streiten, freut sich der Feind.

 

Hartmut Hübner – russland.RU

 

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.