Eine Kolumne von Daria Boll-Palievskaya. Heute: Die spinnen, die Russen. Und fühlen sich glücklich wie noch nie zuvor.

Eine soziologische Befragung stellt bei den Russen das höchste Glücksgefühl seit fast 30 Jahren fest

Foto: DRF e.V.

[von Dr. Daria Boll-Palievska] Die spinnen, die Russen. Sie essen Eis bei minus 30 Grad, trinken Wodka aus der Flasche und schlagen sich gegenseitig mit Birkenzweigen in der Sauna. Das weiß ja jedes Kind. Sie leben in einer „lumpenfreien Diktatur“, in „Putins Regime“, in „Putins Demokratur“. In einer „zutiefst paranoiden Gesellschaft“ eben. Das sind die Bezeichnungen des größten Landes der Welt, die man hierzulande immer wieder liest und hört. Außerdem weiß man ja, dass Russland international isoliert ist. Laut der scherzhaften Untersuchung der russischen Onlinezeitung topru.org arbeiten zwar „nur“ 190 Staaten mit Russland zusammen. Aber alle (vier) anderen nicht! Man soll sich eigentlich denken, dass in so einem Staat die Menschen ziemlich unzufrieden sein sollten. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn laut der aktuellen Untersuchung fühlen sich die meisten Russen glücklich.

Das Allrussische Meinungsforschungszentrum WZIOM veröffentlichte neulich das jährliche „Glücksniveau“ der russischen Bürger. Laut WZIOM hat das Glücksgefühl der Russen das historische Hoch erreicht.  Ganze 85% der Befragten haben sich als glückliche Menschen bezeichnet (Noch 2016 betrug der Glücks-Index 66%). Am unglücklichsten fühlten sich die Russen im Jahre 1990 (17%!), damals ist eine solche Befragung zum ersten Mal durchgeführt worden. „Von 1981 und bis 2000 ist der Glücksparameter kontinuierlich gefallen“, sagte Professor von Higher School of Economics Eduard Ponarin in einem Interview zu

lenta.ru. „In den 90ern war das besonders spürbar. In keinem anderen Land, das am Projekt World Values Survey teilnimmt, gab es etwas Vergleichbares. Das war aber auch verständlich. Die Sowjetunion und das kommunistische Wertesystem sind zusammengebrochen, die wirtschaftliche Lage war sehr schlecht. Die Menschen schämten sich für ihr Land“.  Für das neue Glücksgefühl macht der Professor den „neuen Patriotismus“ verantwortlich: „Die Menschen sind jetzt stolz darauf, dass Russland eine Großmacht und eine große Militärmacht ist. Und sie sind auf ihren Präsidenten stolz. Im Vergleich zu anderen Staatsoberhäuptern macht er in den Augen der Russen eine bessere Figur“, fügte der Ponarin hinzu. 96% der Bevölkerung haben ein positives Bild von ihrem Präsidenten.

Doch beim nähren Betrachten machen ganz andere Dinge das russische Glück aus. Die Familie (32%) und die Kinder (19%) stehen ganz vorne als Glücksfaktoren. Auch das eigene Wohlbefinden und die gute Gesundheit der geliebten Menschen ist für jeden fünften Russen am Wichtigsten.

Das Unternehmen „Medialogia“, das auf Massenmediamonitoring- und Analyse spezialisiert ist, wollte wissen, wo die glücklichsten Menschen in Russland leben. Dafür hat man über eine Million Meldungen in den populärsten sozialen Netzwerken untersucht. Die ersten drei Plätze der TOP-Ten Regionen nahmen Moskau (was für eine Überraschung!), St. Petersburg und … die Halbinsel Krim ein. Auf der aus westlicher Sicht besetzten und annektierten Krim fühlen sich die Menschen offensichtlich glücklich. Wie soll man denn diese Russen noch verstehen?

Daria Boll-Palievskaya – russland.NEWS

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Über den Autor

Dr. Daria Boll-Palievskaya
Selbstständige interkutlurelle Trainerin und Coach mit Schwerpunkt Russland. Berät deutsche Unternehmen bei ihrem Engagement in Russland. Freiberufliche Journalistin und Publizistin