Donbass: Kampflose Eroberungen? [mit Video]

Die jüngste Rebellenoffensive war nicht überall so dramatisch, wie Rebellen oder ukrainische Regierung sie geschildert haben

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Nachrichten aus dem Donbass sind oft sehr verschieden. Während unter dem Beschuss von Donezk und Lugansk Zivilisten nachweislich massiv leiden, geht es anderswo oft gar nicht so dramatisch zu, wie sich selbst darstellende Rebellen oder Brandnachrichten der Regierung in Kiew glauben machen wollen.

Die „Eroberung“ von Telmanowo

So lief die Eroberung von Telmanowo auf der aktuellen Rebellenoffensive laut der Onlinezeitung Tajmer Odessa so ab, dass die Ukrainer irgendwie plötzlich verschwunden waren und dann 150 Leute der Rebellen mit Kleinwaffen den Ort einfach besetzt haben. Irgendwann war die ukrainische Fahne dann noch von der Verwaltung verschwunden. Tajmer merkt an, dass die Rebellen insgesamt dreimal die Eroberung von Telmanowo gemeldet hätten, aber wohl erst dieser relativ umspektakuläre Übergang der wirkliche gewesen sei. Kein Wunder, dass es von dieser Eroberung keines der schönen, verwackelten Rebellenvideos gab.

Die Leere von Nowoasowsk

Auch in Nowoasowsk ist nicht alles so dramatisch, wie uns in diesem Fall die ukrainische Seite Glauben machen will. So stieß in den Ort ein US-amerikanisches CNN-Team vor, fand jedoch weder die berichtete russische Invasionsarmee noch entsprechende Kampfspuren, sondern nur verlassene ukrainische Stellungen, ein paar herum stehende Rebellen, ebenso herum stehende ukrainische Panzer und relativ entspannte Einheimische:

https://www.youtube.com/watch?v=m-BUJQ9wL6o

Falsche Fotos – wo sind die Panzer?

Auch die Panzer-Illustrationen der Tagesschau zu den aktuellen Kämpfen im Donbass wurden nun nach einem Artikel des Tagesspiegel von Internet-Aktivisten schon zweifach als Fälschungen enttarnt – einmal aus dem Georgienkrieg 2008 und einmal von der Krim. Da bleibt wohl russland.RU weiter nur übrig, ausschließlich auf örtliche Quellen als Grundlage für die eigene Berichterstattung zu vertrauen. Zum Glück weiß der Focus, wo die „russischen“ Panzer heute hin sind: Zum Lugansker Flughafen. Na, da dürfen wir ja morgen schon auf entsprechende „Beweise“ für ihre Anwesenheit gespannt sein. Man soll uns nicht falsch verstehen: Auch wir gehen von einer verdeckten russischen Unterstützung der Rebellen aus. Aber dennoch sollte man wohl nicht jede Nachricht von Panzerschlachten und Invasionsarmeen glauben, nur weil sie in einem großen Nachrichtenmagazin steht.

Roland Bathon, russland.RU, Foto: Anna News