Der Moskwitsch 2140 – er fährt und fährt und fährt

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Die Botschaft, die etwas abgewandelt in den 60er Jahren den guten, alten Käfer aus Wolfsburg beworben hatte, darf nun getrost an ein Fahrzeug der ehemaligen UdSSR weitergegeben werden. Ein Rentner aus Zwickau und sein Moskwitsch – eine Liebe, die seit 40 Jahren nicht rostet.

Der 78-jährige Gerhard Schott und sein Gefährt gelten in Zwickau als Exoten. Sein Wagen, ein Moskwitsch der Baureihe 2140, mag in der ehemaligen Automobilschmiede der DDR nicht der älteste und letzte seiner Art sein, aber der einzige, der noch täglich gefahren wird. Wenn es nach seinem Besitzer ginge, solle das auch so bleiben. Trotz der mittlerweile gut 40 Jahre, die der Veteran aus Moskau bereits auf dem Buckel hat, ist er immer noch Schotts treuer Begleiter.

Der Moskwitsch 2140 aus dem Jahr 1976, den Gerhard Schott fährt, lief ab 1975 als Nachfolgemodell des legendären Moskwitsch 412, der ab Ende 1967 vom Band lief. Der 412er war eines der erfolgreichsten Modelle, die seinerzeit in der Sowjetunion hergestellt wurden. Der 1,5 Liter-Motor mit seinen 75 Pferdestärken war an dem M10-Motor von BMW orientiert und hatte sogar schon einen Aluminiumzylinderblock. Die gesamte Konstruktion des Wagens konnte damals leicht mit der westlichen Konkurrenz mithalten und fuhr erfolgreich auf Langstrecken und behauptete sich unter anderem sogar auf der 25.000 Kilometer langen World Cup Rallye. Internationale Rennen, die damals den Porsche Carreras und Co. Vorbehalten waren.

Zu Beginn der 70er Jahre ging der Anschluss an den Weltstandard annähernd verloren. Der 412er durchlief 1975 eine Verbesserung der Technik inklusive neuer Bremsanlage, sowie eine optische Auffrischung. Das Nachfolgemodell fuhr nun unter der Typenbezeichnung 2140 auf Russlands Straßen. Bereits seit 1957 wurden die Moskwitsch-Limousinen auch in die damalige DDR exportiert, da dort die Fahrzeugproduktion die Inlandsnachfrage nicht decken konnte. So gelangten auch die Autofahrer in Ostdeutschland zu dem Privileg ihres Kraftwagens, ohne die 14-jährige Wartezeit absolvieren zu müssen. Anfang der 1980er Jahre verschwand er zwar weitgehend aus dem sowjetischen Straßenbild, im kleinen deutschen Bruderstaat jedoch blieben seine Besitzer dem „Russen-Kübel“ bis zur Wende treu.

Zuerst habe Gerhard Schott „seinen“ Moskwitsch als Dienstwagen am Heinrich-Braun-Klinikum in Zwickau gefahren, wohin er 1976 geliefert wurde, erzählte er der „Chemnitzer Morgenpost“. 17.600 Ostmark habe er später, als er den Wagen übernahm, dafür zahlen müssen. Der Rentner schätze seinen schwarz-weißen „Mossi“, wie er ihn liebevoll nennt, weil er schier unkaputtbar wäre. Über eine Millionen Laufkilometer habe er schon absolviert – und das erst auf zwei Motoren. Natürlich müsse man etwas für das Auto tun, sagt Schott. „Einfach reinsetzen und fahren ist nicht“, wird er von der „Morgenpost“ zitiert, aber man könne alles selber reparieren. Sogar der Spritverbrauch sei mit 10 Litern auf 100 Kilometer noch recht moderat, wenn man das Alter des Moskwitsch bedenkt.

Dies sei der einzige noch voll zugelassene Moskwitsch 2140 in der Heimat des 78-Jährigen. „Es gibt noch einen Zweiten“, erklärt er dem Blatt, „aber der hat nur Saisonkennzeichen.“ Heute dürfte das Auto von Gerhard Schott in Liebhaberkreisen etwa 7.000 Euro wert sein, schätze er. Und hergeben wird er seinen „Mossi“ garantiert auch nie mehr.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.