Der Himmel ist nicht groß genug

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Ein Besucher der russischen Hauptstadt, deren Zentrum so viel sauberer ist als das der westeuropäischen Großstädte und in deren Shoppingmalls die schönen Frauen noch in der Krise ihre stöckelbeschuhten Füße voreinander setzen – dieser Besucher ahnt nichts von der Trübsal, der allernacktesten Armut und der stumpfen, herzlosen Gewalt in den Weiten des riesigen Landes.

Nichts von den Untiefen der russischen Seele, der Gleichzeitigkeit kalter und heißer Herzen und der leeren Verachtung, die Menschen ihresgleichen, Gott und sich selbst gegenüber aufbringen. Er geht über den Roten Platz wie vor 150 Jahren auf einen Petersburger Hofball, während in einem schmutzigen Viertel am Stadtrand ein Dostojewski die Geschichte der Erniedrigten und Beleidigten schrieb.

Eine Siedlung an der chinesischen Grenze

Unsere modernen Geschichten schreiben die sozialen Netze. Der Schauplatz einer davon war vor wenigen Wochen Konstantinowka, eine Siedlung an der chinesischen Grenze im fernöstlichen Gebiet Amur, gut 5.600 Kilometer Luftlinie von Moskau entfernt. Es war keine große Geschichte, keine lange. Nur ein kurzes Video. Ein gebeugt wirkender Mann durchschreitet eine tiefe, fast die ganze Straße bedeckende Regenpfütze, fällt in ihrer Mitte auf die Knie, im Wasser, beugt sich vornüber, die Hände auf den Boden der Pfütze gestützt – und trinkt. Mehr nicht.

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