„Das Eis von unten aufbrechen“

Wenn die da oben nichts zustande bringen, dann muss es eben die „Volksdiplomatie“ richten. Das ist die Kernaussage des „Dialogs an der Wolga“, der gestern in Wolgograd begann. Etwa 500 Teilnehmer aus neun Ländern sprechen darüber, wie das Eis in den staatlichen Beziehungen zwischen dem Westen und Russland quasi von unten aufgebrochen werden kann, wie es der Oberbürgermeister der Gastgeberstadt, Andrej Kossolapow, beschrieb.

„Nur wenige Wochen vor dem 75. Jahrestags des sowjetischen Sieges in der Schlacht bei Stalingrad, während der mehr als 700.000 Menschen umkamen, ist es ein wichtiges Zeichen, dass wir heute auf unserem historischen Boden Meinungen austauschen und Schlussfolgerungen ziehen, wie Frieden und gegenseitiges Verständnis dauerhaft gesichert und entwickelt werden können.“ Er erinnerte daran, dass bereits 1944, noch während des 2.Weltkrieges, mit einem Freundschaftsvertrag zwischen der englischen Stadt Coventry, die von der deutschen Luftwaffe nahezu dem Erdboden gleichgemacht worden war, und Stalingrad die heute weltweite Partnerstädte-Bewegung entstand.

Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums und frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck, machte deutlich, dass es immer Alternativen zu Konfrontation und gegenseitigem Misstrauen gibt und verwies auf die „neue Ostpolitik“ von Willy Brandt und Egon Bahr, die vor über fünfzig Jahren den Weg zur Entspannung auf dem europäischen Kontinent öffnete. Der Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE, Dietmar Bartsch, bezeichnete die Entwicklung der konkreten Zusammenarbeit zwischen Russland und den europäischen Ländern in den Bereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft als wichtig, um so einer Entfremdung entgegen zu wirken und letztlich auch Einfluss auf die politisch Verantwortlichen auszuüben.

Der ehemalige slowakische Ministerpräsident Jan Cernogorski, warnte davor, dass in der gegenwärtigen Krise der internationalen Sicherheit jene Kräfte die Entwicklung bestimmen, die aus machtpolitischen Interessen an einer Verschärfung der Situation interessiert sind. Vielmehr müssten durch die Bevölkerung Europas und Russlands, den Ausbau ihrer Kontakte, wie in Städtepartnerschaften, solchen Bestrebungen der Boden entzogen werden.

Wie das geschehen, kann ist heute Gegenstand einer Diskussionsrunde, wie auch die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen und die Entwicklung einer „Jugenddiplomatie“.

Zum Abschluss soll eine gemeinsame Resolution verabschiedet werden.

[hh/russland.NEWS]