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15-03-2005 Gipfel in Bratislava
Boeing in Russland - eines der größten Weltwirtschaftsprojekte
Einer der Erfolge des letzten Gipfels der Präsidenten Russlands und der USA in Bratislava ist die dort getroffene Entscheidung, die russisch-amerikanischen wissenschaftlich-technischen Beziehungen auf solchen fortgeschrittenen Gebieten wie Informationstechnologien sowie Luft- und Weltraumfahrt zu vertiefen.

Das bekannteste Beispiel einer solchen Zusammenarbeit sind die Internationale Raumstation (ISS) oder diskutierte Projekte, die sich auf mögliche Mondforschungen beziehen. Und zu all diesen Arbeiten und Plänen steht die Tätigkeit des größten Luft- und Raumfahrtgiganten der Welt, der amerikanischen Korporation Boeing, in direkter Beziehung.

In ihrer fast 90-jährigen Geschichte widerspiegelt sich der ganze Weg der internationalen Luft- und Weltraumfahrt - von der Entwicklung eines Flugzeuges zum Posttransport durch den Gründer des Unternehmens, William Boeing, bis hin zum Bau der Internationalen Raumstation im Orbit. Die Korporation Boeing ist der größte Produzent von Trägerraketen, Nachrichtensatelliten sowie Zivil- und Militärflugzeugen in der Welt. Boeing nimmt auch auf dem Gebiet der Luftverteidigung, der bemannten Weltraumflüge und der Startleistungen beim Transport von kosmischen Flugkörpern auf Umlaufbahnen führende Positionen ein. Boeing ist eine der Hauptkorporationen in den USA bei Exportverkäufen.

Warum ist der russische Markt für diese Korporation derart anziehend, dass Russland laut ihrem Vizepräsidenten Thomas Pickering noch 2001 "bis zu einem Viertel der gesamten Arbeitszeit des Unternehmens zugedacht wurde"? Warum betrug der Umfang der Programme zur Zusammenarbeit von Boeing mit Russland im vorigen Jahr die enorme Summe von 2,3 Milliarden Dollar?

Darauf antwortet Pickering, früher ein hochrangiger Diplomat und Botschafter in Moskau: Russland habe einen unverkennbaren Vorzug im Vergleich zu anderen Ländern, der auf dem einzigartigen geistigen Potential in Schlüsselgebieten beruhe, die heute das wissenschaftlich-technische Potential eines jeden Landes bestimmen. Das seien Informationstechnologien, wissenschaftliche Forschungen und Ingenieuring.

"In Moskau wurde das einzige Boeing-Konstruktionszentrum im Ausland eröffnet. Wir halten enge Arbeitskontakte mit russischen HiTech-Unternehmen aufrecht. Russland ist für Boeing ein in technologischer Hinsicht besonders fortgeschrittener Partner", sagt Pickering.

Eigentlich besteht in den letzten Worten der Sinn der Gestaltung der Beziehungen der Korporation mit den russischen Partnern. Ihre Politik beruht nicht auf momentanen Vorteilen durch Kauf-Verkauf-Operationen, sondern auf einer planmäßigen Arbeit an der Festigung der strategischen Partnerschaft unter maximaler Nutzung der russischen Möglichkeiten. Ein solches Herangehen eröffnet neue Wege für Russland und schafft hochtechnologische und folglich konkurrenzfähige Sektoren seiner Wirtschaft. Es festigt auch die Positionen von Boeing selbst in der wirtschaftlichen und militärpolitischen Weltarena.

Es gibt einige Gemeinschaftsprogramme, die sich schon heute erfolgreich entwickeln, für die internationale Weltraumfahrt von morgen bestimmend sind und in nicht allzu ferner Zukunft den Markt mit den besten Erzeugnissen in ihrer Klasse erschließen können.

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Gipfel in Bratislava: Treffen auf neutralem Terrain
Dazu gehören die Programme ISS (Internationale Raumstation) und Sea Launch (Maritimer Start).

ISS ist das größte internationale Projekt der Gegenwart. Für seine Umsetzung sind finanzielle und technische Anstrengungen, Mittel und Erkenntnisse vor allem Russlands und der USA sowie Kanadas, Italiens, Japans und der Mitgliedsländer der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) vereinigt.

Das Leitunternehmen bei diesem Programm ist russischerseits die führende kosmische Raketenkorporation (RKK) Energija und amerikanischerseits Boeing. Am 4. Oktober 1993 nahmen Vertreter von Energija, NASA und Boeing in einer Beratung in Moskau den Vorschlag des russischen kosmischen Chrunitschew-Zentrums an, den Funktions- und Ladeblock (FGB) Sarja, Analogon der schweren Raumtransporter und Module für Orbitalstationen, die im Zentrum in mehr als 20 Jahren entwickelt worden sind, als erstes ISS-Modul zu nutzen.

Im Prozess der Entwicklung des Moduls Sarja schlug die Korporation Boeing zwei große Modifikationen vor, die die Charakteristiken der Internationalen Raumstation in der Anfangsetappe ihres Baus wesentlich verbesserten.

Im November 2001 wurde ein Abkommen mit Boeing unterzeichnet, in dem die Hauptaspekte der gemeinsamen kommerziellen Nutzung des zweiten russischen Blocks FGB-2 unter der Voraussetzung der Finanzierung der notwendigen Modifikationen durch die amerikanische Seite in Aussicht genommen sind.

Auf dem kürzlichen kosmischen Gipfel in Montreal bekräftigten Russland und die USA ein weiteres Mal die Absicht, die ISS gegen das Jahr 2010 fertigzustellen. Die fertige Station wird bei der Vorbereitung von bemannten Mond- und Marsunternehmen eine Schlüsselrolle spielen, deren Verwirklichung ohne die detaillierte Durcharbeitung der Hauptetappen eines fernen Weltraumfluges in einer erdnahen Umlaufbahn unmöglich ist.

Was das Programm Sea Launch betrifft, so muss betont werden, dass es eine revolutionär neue Technologie für den Start von schweren kommerziellen Satelliten und ein neues Niveau der staatlich-privaten Partnerschaft ist. Sea Launch ist ein internationales privates Gemeinschaftsunternehmen, das durch Boeing, die Weltbank, die RKK Energija, das ukrainische staatliche Konstrtuktionsbüro Juschnoje und die norwegische Gesellschaft Kvarner gegründet wurde.

Die Einmaligkeit des Programms besteht darin, dass Satelliten mit einer Trägerrakete in eine Umlaufbahn eingesteuert werden, die von einer schwimmenden Plattform im Ozean gestartet wird. Seit 1999 wurden 15 Starts vorgenommen. Der voraussichtliche Umsatz der Mittel der russischen und ukrainischen Unternehmen macht bei einem soliden Auftragsbestand für das laufende und nächste Jahr 200 Millionen Dollar im Jahr aus.

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Schwerpunkt - Weltraum
Aber Boeing wäre nicht Boeing, wenn das Unternehmen nicht die Erschließung des aussichtsreichen russischen Marktes der Zivilluftfahrt anstreben würde.

Das vielversprechende Programm "Rossijski regionalny samoljot" ("Russisches regionales Flugzeug" /RRJ/), an dem Boeing und die russische Vereinigung "Graschdanskije samoljoty Suchogo" ("Zivilflugzeuge Suchoi") seit dem April 2001 arbeiten, setzt sich zum Ziel, das weltbeste Flugzeug in dieser Klasse für seinen umfassenden Verkauf in Russland und im Ausland zu entwickeln.

"In Russland ist der Flugzeugmarkt unzureichend erschlossen. Vertreter von Aeroflot und anderer Fluggesellschaften sagten mehrmals, dass es ihnen an Flugzeugen mit Plätzen für höchstens 90 bis 95 Passagiere mangelt, die für Flüge über große Entfernungen berechnet sind. Das ist die optimale Zahl von Plätzen, die die russischen Bedingungen diktieren. Eben dieses Gemeinschaftsprojekt steht heute für uns im Mittelpunkt", präzisierte Pickering.

Den November des vorigen Jahres kann man als den Beginn der umfassenden Ingangsetzung des RRJ-Programms betrachten. In diesem Monat fand ein Arbeitstreffen des russischen Ministers für Industrie und Energiewirtschaft, Viktor Christenko, und des Boeing-Präsidenten Harry Stonesifer, Hauptexekutivdirektor dieser Korporation, statt.

Das Schlussdokument dieses Treffens - ein Memorandum über gegenseitige Verständigung - sieht unter anderem die Entwicklung eines russischen regionalen Flugzeuges - des Flugzeuges Boeing-7E7 - vor. Die Lieferung seines ersten Musters ist für den Dezember 2007 geplant.

Dieses Programm wie auch die Bedürfnisse des Boeing-Flugzeugbaus sind im Grunde mit Rohstoffen zuverlässig gesichert. Im gegebenen Fall geht es um ein weiteres Element der Zusammenarbeit. Diesmal auf dem Gebiet der Titanmetallurgie zwischen der amerikanischen Korporation und der russischen HüttenproduktionsvereinigungWerchnesaldinski (WSMPO).

Ende des vorigen Jahres kamen die Führung von Boeing und von WSMPO im Rahmen des unterzeichneten Abkommens über strategische Partnerschaft darüber überein, dass die amerikanische Seite den Anteil der Käufe von Titanerzeugnissen beim russischen Unternehmen für die Belange des Baus von Boeing-Zivilflugzeugen wesentlich erhöhen wird. Es ist geplant, die Entwicklung von neuen Titanlegierungen und -technologien im Rahmen des gemeinsamen Innovationszentrums Boeing-WSMPO fortzusetzen. (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).