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02-03-2005 Gipfel in Bratislava
Geht Initiative in russisch-amerikanischen Beziehungen an Kreml über?
Nach dem Treffen der Präsidenten Russlands und der USA in Bratislava prognostizieren Experten verschiedene Entwicklungsszenarien der bilateralen Beziehungen.

Ideal für Russland wäre nach Ansicht einiger Vertreter der Kreml-Administration eine Variante, bei der in Washington folgende Haltung dominieren würde: Die Anerkennung der Tatsache, dass es Meinungsverschiedenheiten zu einigen Fragen gibt, die allerdings kein unüberwindbares Hindernis für den Dialog sind, schreibt das Wochenmagazin "Itogi".

Jedenfalls glaubt heute kaum jemand in Moskau, dass sich die "Flitterwochen" in den russisch-amerikanischen Beziehungen, wie sie unmittelbar nach dem 11. September 2001 begonnen hatten, wiederholen würden. Das gleiche gilt auch für Washington.

Wenn dem aber so ist, so kommt folgende Frage auf die Tagesordnung: Wer braucht wen in der heutigen Situation mehr - die USA Russland oder umgekehrt.

Vor acht bis zehn Jahren wäre die Antwort darauf eindeutig gewesen: Natürlich braucht Russland die USA mehr. Jetzt sieht die Situation aber anders aus. Heute ist Moskau in wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr so angreifbar. Außerdem ist Russlands Finanzministerium bereit, einen beträchtlichen Teil der russischen Außenschulden vorfristig zu tilgen.

Geopolitisch könnte Moskau die Realisierung einer ganzen Reihe amerikanischer außenpolitischer "Projekte" unterstützen bzw. umgekehrt behindern. Dabei geht es um die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, um den Kampf gegen den Terrorismus und um die Energiesicherheit. Außerdem hat Amerika heute viele Probleme in Irak, aus dem ein Abzug nicht mehr so leicht machbar ist. Kompliziert ist auch die Situation mit Iran und Nordkorea. Ohne Hilfe Moskaus wird Washington hier ebenfalls nicht auskommen können.

Damit geht die Initiative in den russisch-amerikanischen Beziehungen an den Kreml über. Vom Können Moskaus, diese Beziehungen zu gestalten, und vom Wunsch, Washingtons Interessen zu berücksichtigen sowie eigene Gegenvorschläge zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort zu unterbreiten, wird in vieler Hinsicht die Tonalität des amerikanisch-russischen Dialogs in den nächsten drei Jahren abhängen, schreibt das Magazin. (RIA)