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01-03-2005 Gipfel in Bratislava
USA an stabilen Beziehungen zwischen Europa und Russland interessiert
Das Treffen zwischen den Präsidenten der USA und Russlands in Bratislava war mit einer bestimmten Absicht in den Kontext der Europa-Reise Bushs eingeflochten.

Diese Meinung äußerte Professor Alexej Bogaturow, Doktor der politischen Wissenschaften und stellvertretender Direktor des Instituts für Probleme der internationalen Sicherheit der Russischen Akademie der Wissenschaften, in einem am Dienstag in der "Nesawissimaja gaseta" veröffentlichten Interview.

Das hatte nichts damit zu tun, dass der Dialog in der Slowakei ein weiteres Mal signalisiert hat, dass Russland ein Teil Europas sei, meinte er. Es war wichtiger, den Unterschied der amerikanischen Weltanschauung zur Weltauffassung der EU und Russlands zu zeigen, so der Experte. Die EU will zwar die Ressourcen der "Ostgebiete" nicht nur vom Atlantik bis zum Ural, sondern auch östlich vom Ural aufsaugen, kann das aber nicht tun. Russland beeilt sich nicht, der EU entgegenzukommen und bemüht sich, einen eigenen "Integrationskern" um sich herum zusammenzuschließen, aber es hat auch nicht genug Kraft dazu.

Für die Amerikaner hat sich der europäische Raum schon seit langem verändert. Für sie ist dieser stark zusammengeschrumpft. Früher waren die europäischen Metropolen "Grenzstädte" an der Konfrontationslinie mit der UdSSR. Heute ist die EU-Hauptstadt Brüssel eine Zwischenstation auf der Straße zu den Energieressourcen des eurasischen Kontinents. Für die EU und Russland interessieren sich die Vereinigten Staaten an und für sich gleichermaßen bzw. gleichermaßen wenig. Für sie ist der "Große europäische Raum" interessant, und dieser muss stabil, nicht stark, aber auch nicht allzu schwach, vor allem aber offen und für den amerikanischen Einfluss durchdringlich sein.

Sollte ein ernsthafter Streit zwischen der EU und Russland entstehen, könnte dieser Raum auseinanderbrechen, was die USA nicht mehr zufriedenstellen würde. DieAmerikaner wollen zwar keine feste Freundschaft der EU mit Russland, sie wollen aber auch keinen Konflikt zwischen ihnen. Washington passt im Prinzip der heutige Status quo, insbesondere wenn es hinsichtlich des Tempos, der Bedingungen und der exakten Ausrichtungen der Umorientierung der NATO auf Eurasien keine Klarheit gibt.

Dennoch war die Informationswelle hinsichtlich der Demokratie in Russland und in anderen GUS-Ländern im Vorfeld des Gipfels ein Signal und eine Warnung an die Politiker im Zentralen Eurasien: Sie müssen absetzbar sein. Hinsichtlich der Demokratie kann für Bush eigentlich nur eine Frage interessant sein, die zugleich die wichtigste ist: Wie fest ist Präsident Putin entschlossen, die Macht 2008 ohne Tricks weiterzugeben? Die Intrige besteht darin, ob der amerikanische Staatschef diese Frage dem russischen Präsidenten bei dem Gespräch unter vier Augen gestellt hat oder nicht. (RIA)