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26-02-2005 Gipfel in Bratislava
Bush als Psychoanalytiker sowie Putins Ja und Nein
Wie die nüchternsten Analytiker auch voraussagten, hat das Gipfeltreffen der Präsidenten der USA und Russlands in Bratislava einen für beide Seiten durchaus positiven Abschluss gefunden.

Gott sei's gelobt! Wenn sich die Oberhäupter zweier solcher Länder treffen, ist es immerhin besser, wenn sie sich nicht streiten, sondern ein Übereinkommen finden.

Puristen der Demokratie, deren Zahl besonders in Europa nicht unbeträchtlich ist, meinten, die USA seien verpflichtet gewesen, Russland wegen des Rückzugs an der demokratischen Front eine exemplarisch strenge Vorhaltung zu machen, aber sie haben sich verrechnet. Die Optimisten dagegen, die meinen, in Russland sei alles ohnehin in bester Ordnung, freuen sich: George Bush jun. hatte tatsächlich Fragen an Putin, aber die Antworten seines russischen Kollegen haben ihn vollauf befriedigt.

Meine Meinung: Die Ersteren sollten nicht besonders besorgt und die zweiten nicht übermäßig erfreut sein. Zum einen wird die unvollkommene russische Demokratie noch mehr als nur einmal Vorwände für Kritik liefern, zum anderen aber ist die strategische Partnerschaft zwischen den USA und Russland ebenso unerschütterlich - zumindest bis zum Ablauf der Amtszeit beider heutigen Präsidenten.

Das ist es eben: Heute dürfen die russisch-amerikanischen Beziehungen einfach nicht anders sein. Die bilateralen Beziehungen zementieren erstens Fragen der Sicherheit, in denen die Meinungen beider Präsidenten in den meisten Punkten übereinstimmen (internationaler Terrorismus, nukleares Thema), und zweitens sind die persönlichen Charakteristiken beider Staatschefs in Betracht zu ziehen.

Schon bei seiner ersten persönlichen Begegnung mit Putin zeigte sich Bush als ganz gut bewanderter Psychoanalytiker, was von ihm, das sei ohne Umschweife gesagt, nur wenige erwarteten. Die bekannten Worte darüber, was der amerikanische Präsident in den Augen seines russischenAmtskollegen sah, waren, wie die Zeit schon bewiesen hat, keine Höflichkeitsfloskel fürs Protokoll, vielmehr waren sie aufrichtig gemeint. Ob es gewissen Leuten gefällt oder nicht, aber Bush vertraut Putin. Was Bush seine Intuition vorsagte, fällt voll und ganz mit der inneren Einstellung des Präsidenten Russlands als Politiker zusammen: möglichst wenig zu versprechen, aber, wenn schon versprochen, nach Möglichkeit das Wort zu halten. Diktiert ist das nicht nur durch den üblichen gesunden Menschenverstand, sondern auch durch politische Zweckmäßigkeit. Am wenigsten Argwohn erweckt ein vorhersagbarer Partner. Auch wenn er Nein sagt, weiß man zumindest, was von ihm zu erwarten ist. Sagt er Ja, dann kann man sich auf sein Wort verlassen. Bush gefallen solche einfachen Kombinationen.

In dieser Hinsicht steht Putin irgendwo in der Mitte zwischen dem in der Vergangenheit bekannten Außenminister der UdSSR Andrej Gromyko (der im Westen "Mister Njet" genannt wurde, da es überaus schwer fiel, von ihm Zustimmung zu was auch immer zu bekommen) und dem Außenminister der Jelzin-Zeit Andrej Kosyrew (den schon seine Landsleute "Herr Ja" nannten, da er dem Westen in all und jedem zustimmte).

Putins Ja und Nein sind ausschließlich von den Interessen des eigenen Landes diktiert. Auch beim Treffen in Bratislava blieb sich Putin treu. "Unter bestimmten Bedingungen werden wir", erklärte Bush, "auf die Aufnahme Russlands in die WTO schon in diesem Jahr hinarbeiten." Putin reagierte blitzschnell: "Wir sind zu Kompromissen bereit, aber nicht zum Schaden unserer nationalen Interessen." Eine begreifliche Position eines führenden Politikers, und jeder ernst zu nehmende Opponent kann nicht anders, als sie zu respektieren.

Der Gipfel in Bratislava war nützlich, was bei weitem nicht mit jeder solchen Veranstaltung geschieht. Nützlich für Putin, weil er noch einmal an die Wichtigkeit der demokratischen Werte gemahnt wurde. Nützlich für Bush - aus demselben Grunde.

Das Treffen deutete auch für die Europäer etwas Nützliches an. Dass zum Beispiel bei aller Wichtigkeit des demokratischen Themas auch andere Prioritäten bestehen, die Europa oft vergisst oder deren Akutheit es in der bürokratischen Schreibwut und dem parlamentarischen Schwätzen versenkt.
bei russland.RU
Gipfel in Bratislava: Treffen auf neutralem Terrain
Die antiterroristische Koalition erfordert heute nicht einen "Stabsmitarbeiter" (als einen solchen sieht sich oft der Europäer von heute an), sondern auch einen Soldaten, der bereit ist, gegen einen Terroristen an der vordersten Kampflinie zu kämpfen.

Die USA, Russland, Großbritannien und Israel sind in diesem Sinne nicht Bestandteil der antiterroristischen Koalition, sondern eher ihr Kern, an den sich endlich auch viele andere im Ernst anschließen sollten - sie werden sich dadurch nichts vergeben. (Pjotr Romanow, politischer Kommentator der RIA Nowosti.)