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24-02-2005 Gipfel in Bratislava
Bush und Putin, die Kunst des letzten Wortes
In der Liste der Gesprächspartner von Präsident Bush, der eine Arbeitsreise durch Europa unternimmt, steht Wladimir Putin ganz unten, was die russische Zeitung "Kommersant" zum Anlass dazu nahm, über den Wert des heutigen Russland für die USA zu ironisieren.

Das war aber unüberlegt. Denn jener, der als letzter spricht, hat die Chance, den besten Eindruck zu hinterlassen. Dabei kommt es vor allem darauf an, wie das Gespräch aufgebaut wird. Schließlich ist nicht nur das von Bedeutung, was Putin Bush beim Treffen sagen, sondern auch das, was sein Gesprächspartner hören und verstehen wird.

Hierbei bestehen Fragen, wenngleich sich auch beide Gesprächspartner, wie es scheint, aufrichtig für Freunde halten, für die es kein Tabu gibt. In Wirklichkeit ist aber alles selbstverständlich viel komplizierter. Ein nicht völliges Verständnis droht sogar zwischen gewöhnlichen Freunden, geschweige denn zwischen politischen Leitern, mit Problemen. Bush kann zum Beispiel die Frage zu Irak nicht gefallen: Warum hat dort der Terrorismus nach dem Einmarsch der Amerikaner nicht nachgelassen, wie die CIA behauptet, sondern sich hingegen verstärkt? Um so weniger kann es Bush gefallen, wenn sein "Freund Wladimir" ihn daran wird erinnern wollen, dass er seinem Kollegen davon abgeraten hatte, sich in Irak ungebeten einzumischen. Denn ihm würde es nicht zum Nutzen gereichen.

Russlands Präsident hat es ganz bestimmt schon satt, alle darüber aufzuklären, wie sehr er die Demokratie liebt; darum werden die Themen YUKOS, Pressefreiheit und ähnliche bei ihm nichts als Verdruss erwecken, in welch einer milden Form sein Freund Bush sie auch anschneiden möge.

Meinungsverschiedenheiten bestehen also unverkennbar.

Es gibt aber auch etwas, das verbindet, und hierbei ist es für Russland sehr wichtig, dass ihm Gehör geschenkt und es richtig verstanden wird. Dafür besteht eine Chance. Und das schon deshalb, weil Putin und Bush wohl gerade jene zwei Politiker sind, die heute die Frage der Antiterrorkoalition ganz ernst nehmen. Dabei je weiter, desto ernster.

Putin hat, ungeachtet seiner bereits zweiten Amtszeit, nach wie vor Probleme in Kaukasien, Bush beginnt aber seine zweite Amtszeit als Präsident, ohne das Irak-Problem wie auch Fragen gelöst zu haben, die sich auf das Nuklearprogramm von Iran, Syrien und Nordkorea beziehen. Die Meinungen Russlands und der USA gehen in einigen Fragen auseinander, der moralische Geist der Russen im Kampf gegen die terroristische und nukleare Bedrohung ist aber um eine Ordnung höher als der der Bürokraten aus der NATO oder des greisen Europa. Folglich ist Russland für die USA ein viel sicherer Verbündeter im Kampf, als viele alte Freunde, die anscheinend bereits überzeugt sind, dass sie den Ruhestand verdient hätten. Auch das Potential Russlands sinkt, ungeachtet aller seiner immer noch nicht gelösten Probleme, in der militärischen Frage nicht, sondern steigt.

Wenn gerade diese Worte über die Partnerschaft im Kampf gegen den internationalen Terrorismus das Gespräch krönen würden, so würde Bush sie hören, im Gedächtnis behalten und nach Gebühr einschätzen.

Wie immer im Vorfeld solcher Treffen, haben die zukünftigen Gesprächspartner für jeden Fall den Boden dafür bereits vorbereitet, wozu der Patriarch der amerikanischen Politik Henry Kissinger Moskau einen Besuch abgestattet hat. Nach der Atmosphäre zu urteilen, in der das Gespräch Kissinger - Putin stattgefunden hat, könnten das Treffen in Bratislava normal verlaufen und die Präsidenten zur Pressekonferenz lächelnd erscheinen.

Ronald Reagan scherzte seinerzeit, dass eine Invasion der Marsbewohner die USA und die Sowjets zu den engsten Freunden machen könnte. Die Sowjets gehören nun schon der Vergangenheit an, die Marsbewohner haben die Erde immer noch nicht erreicht. Dafür ist aber ein für Russland und die USA nicht minder gefährlicher Gegner erschienen. Darum bestehen heute viel mehr Chancen für normale Partnerschaftsbeziehungen.

Die unvermeidlichen schmerzhaften Punkte werden in der Mitte der Unterredung bleiben, das Hauptthema - Partnerschaft - wird aber die Unterredung einleiten und abschließen. Es ist also gar nicht schlecht, dass das Treffen zwischen Putin und Bush das letzte in der Reihe sein wird. Das Letzte bleibt besser im Gedächtnis haften. (Pjotr Romanow, politischer Kommentator der RIA Nowosti)