russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



24-02-2005 Gipfel in Bratislava
Bush und Putin versuchen Neuanfang bei Gipfel in der Slowakei
Nach der Abkühlung des Verhältnisses zwischen ihren Ländern haben sich US-Präsident George W. Bush und der russische Staatschef Wladimir Putin bei einem Gipfeltreffen in der Slowakei um einen Neuanfang bemüht.

Bush traf Putin am Donnerstag in Bratislava, der letzten Station seiner Europareise. Die beiden Präsidenten wollten dabei unter anderem die Zusammenarbeit beim Schutz vor Terror-Angriffen besprechen. Bush wollte zugleich auf Rückschläge für die Demokratie in Russland hinweisen. Im Gegensatz zu seinem Deutschland-Besuch am Vortag sprach Bush in Bratislava direkt zu den Menschen und lobte das Engagement der Slowakei im Irak.

Das Treffen von Bush und Putin, deren persönliche Beziehung als gut gilt, war das erste seit dem vergangenen November. Übereinstimmung gibt es zwischen den USA und Russland trotz vieler Spannungen auf anderen Gebieten, etwa der Irak-Politik, weiterhin beim Anti-Terror-Kampf, in dem beide Länder eine harte Linie vertreten. In Bratislava unterzeichneten die USA und Russland ein Kontrollabkommen zu tragbaren Raketen; dieses soll die Verbreitung der schultergestützten Waffen verhindern, die Extremisten etwa gegen Passagierflugzeuge einsetzen könnten.

Außerdem sollte nach Informationen der US-Tageszeitung "Washington Post" ein weiteres Anti-Terror-Abkommen unterzeichnet werden, das die Sicherheit russischer Atomanlagen erhöhen soll. Der Vertrag zielt demnach auch auf eine gemeinsame Abwehreinheit gegen nukleare Terrorangriffe. Außerdem solle damit weltweit verhindert werden, dass Reaktoren zur Herstellung von Atomwaffen genutzt werden. Nach Einschätzung von Experten ist das russische Atomwaffenarsenal - dazu zählen unter anderem 4000 Sprengköpfe - gut geschützt. Sorgen bereitet den USA aber zivil genutztes Nuklearmaterial, das für den Bau so genannter schmutziger Bomben genutzt werden könnte.

Bei dem Treffen wollte Bush aber auch über Maßnahmen der Regierung in Moskau sprechen, die nach Ansicht Washingtons der Demokratie in Russland schaden. Die US-Regierung hatte Moskau unter anderem wegen des kaum kaschierten Vorgehens des Kreml gegen den Ölkonzern Yukos kritisiert. Unmut löste auch die Beschneidung der Pressefreiheit oder die von Putin nach dem Geiseldrama von Beslan betriebene Zentralisierungspolitik aus.

Zuletzt hatte die Politik Moskaus gegenüber Iran und Syrien für Spannungen gesorgt. Russland sagte Syrien die Lieferung von Raketensystemen zu. Zugleich verstärkte Putin die nukleare Zusammenarbeit mit Teheran und betonte, der Iran strebe nicht den Bau von Atomwaffen an - was die USA dem Iran vorwerfen. Bush betonte in Bratislava vor dem Treffen mit Putin erneut das Interesse der Vereinigten Staaten und Europas, den Iran zu einem Verzicht seines Atomprogramms zu bewegen. "Wir haben ein gemeinsames Ziel - die Ayatollahs zu überzeugen, keine Atomwaffen herzustellen", sagte Bush.

In seiner umjubelten Rede auf einem Platz in Bratislava zog Bush eine Parallele zwischen der Demokratisierung in ehemaligen Ostblockstaaten und der Situation im heutigen Irak. Für die Entwicklung im Irak bedürfe es der Geduld. Bis sich Demokratie und freie Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa durchgesetzt hätten, habe es auch Zeit bedurft.
bei russland.RU
Gipfel in Bratislava: Treffen auf neutralem Terrain
"Für das irakische Volk ist dies ihr 1989. Und sie werden sich immer daran erinnern, wer in ihrem Bestreben nach Freiheit an ihrer Seite stand", sagte Bush. Die Slowakei ist einer der Verbündeten der USA im Irak-Krieg und hat eigene Soldaten in das Land entsandt.

Bush war bereits am Mittwochabend in Bratislava eingetroffen. Am Donnerstag traf er zu Beginn des offiziellen Teils seines Besuchs mit seinem slowakischen Kollegen Ivan Gasparovic und dem slowakischen Ministerpräsidenten Mikulas Dzurinda zusammen. Der US-Präsident traf sich außerdem mit mehreren osteuropäischen Dissidenten, unter ihnen Gegner der autoritären Regierung des weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Mehr als 5000 Polizisten, Soldaten und Feuerwehrleute sorgten in Bratislava für Sicherheit.