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22-02-2005 Gipfel in Bratislava
Experte: Putin wird als anderer Mensch von Bratislava zurückkehren
Beim Treffen mit George Bush in der Slowakei steht dem russischen Präsidenten eine echte Prüfung bevor. Diese Meinung äußerte Alexander Dugin, Direktor des Zentrums für geopolitische Expertisen, in einem am Dienstag in der "Rossijskaja gaseta" veröffentlichten Interview.

Die USA-Politik ist heute auf die Bildung einer monopolaren Welt gerichtet, in der nur Amerika der oberste Schiedsrichter ist, führte Dugin weiter aus. Wenn Russland ihm gefallen möchte, so müsste es planmäßig einem geopolitischen Zerfall entgegenschreiten. Wenn es aber die Festigung seines strategischen Einflusses im postsowjetischen Raum vorzieht, sind Reibungen mit den USA unvermeidlich.

Die antirussischen Stimmungen in der amerikanischen Presse haben heute ohnehin ihren Höhepunkt erreicht. Putins Antlitz ist praktisch bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Ursachen sind offensichtlich: Ende 2004 hat Russland nach der Tragödie in Beslan Kurs auf die endgültige Zentralisierung der Macht genommen sowie seine Entschlossenheit gezeigt, sein Spiel in der GUS zu spielen. Putin begleitete nun seine patriotischen Erklärungen mit konkreten Schritten, und das geht bereits über den Rahmen hinaus, der von der einzigen Großmacht für Russland vorgesehen war, so Dugin.

In dieser Atmosphäre wird auch das Treffen in Bratislava stattfinden, auf deren Tagesordnung Themen stehen, die für Putin schmerzhaft sind: die Menschenrechte in Tschetschenien, der "Fall Yukos" und die Bedrohung der Pressefreiheit.

Laut einer der Versionen der Tagesordnung will die amerikanische Seite direkt das Thema einer "internationalen Kontrolle über die Nukleartechnologien in Russland" anschneiden. Das ist nichts anderes als eine Forderung nach einer Beschneidung der Souveränität Russlands. Das Wesen der Forderung entspricht dem Genre der Dialoge, die Amerika mit den Ländern führt, welche zur "Achse des Bösen" gehören: "Die einzige Chance, euch in Ruhe zu lassen, wäre euer freiwilliger Verzicht auf die Kernwaffen".

Das Treffen in Bratislava könnte durchaus ein Ultimatum für Russland mit sich bringen, meint der Experte. Was soll man dann mit den guten Beziehungen zwischen Putin und Bush anfangen? Die Antwort ist einfach: Die amerikanische Außenpolitik wird in den USA im Unterschied zu Russland nicht vom Präsidenten allein formuliert.

Diesmal wird Putin einer klaren Antwort wohl kaum ausweichen können. Putin wird als ein anderer Mensch aus Bratislava zurückkehren, was seine historische Mission anbelangt. Wenn er das amerikanische Ultimatum anerkennt, wird er seine patriotische Legitimität einbüßen, die die Grundlage seines politischen Kurses bildet. Mit einer Ablehnung würde er Russland auf einen gefährlichen Konfrontationsweg bringen, behauptet der Experte. (RIA)