Boris Nemzow in Moskau erschossen

Der russische Oppositionspolitiker und Putin-Kritiker Nemzow ist in Moskau erschossen worden. Nach offiziellen Angaben wurde der 55-Jährige im Stadtzentrum nahe des Kreml von vier Schüssen in den Rücken getroffen.

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Putin verurteilte die Tat. Möglicherweise habe es sich um einen Auftragsmord gehandelt. Zudem sprach er von einer „großen Provokation“.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko äußerte sich schockiert über den Mord. „Sie haben Boris umgebracht. Es ist kaum zu glauben. Ich habe keine Zweifel, dass die Täter bestraft werden. Früher oder später“, twitterte er. Der Politiker galt als Unterstützer der proeuropäischen ukrainischen Führung in Kiew.

Die Staatsanwaltschaft erklärte am Samstag, der noch nicht identifizierte Täter habe „mindestens sieben bis acht Mal auf Nemzow geschossen, als dieser über die Große Steinerne Brücke lief“. Die Kugeln seien aus einem vorbeifahrenden Auto abgefeuert worden, als Nemzow in der Nähe des Kreml über eine Brücke ging.

Nemzow soll in Begleitung einer jungen Bekannten aus der Ukraine gewesen sein. Die Frau blieb wohl unverletzt. Über die Hintergründe der Tat liegen noch keine Angaben vor.

Mehrere Zeugen hätten die Tat beobachtet, berichtete die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf die Polizei.

Boris Jefimowitsch Nemzow wurde am 9. Oktober 1959 in Sotschi geboren. Er gehörte lange Zeit zu den führenden Kräften der Partei Union der rechten Kräfte. Anfang der 1990er Jahre war er Gouverneur der Provinz Nischni Nowgorod. Unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin war der neoliberal ausgerichtete Nemzow 1997/1998 Vize-Ministerpräsident.