Berliner Literaturpreis 2015 an Olga Martynova verliehen

image_pdfimage_print

Preisträgerin auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin berufen.

Die Schriftstellerin Olga Martynova ist mit dem Berliner Literaturpreis 2015 der Stiftung Preußische Seehandlung geehrt worden. Sie erhielt die Auszeichnung am Mittwochabend im Berliner Rathaus aus den Händen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller. Der Präsident der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Peter-André Alt, berief die Autorin auf die mit dem Preis verbundene „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ im Sommersemester 2015. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller würdigte Olga Martynova als „literarische Vermittlerin zwischen Russland und Deutschland“. Er bezeichnete es als bemerkenswert, dass „sie in ihrer russischen Muttersprache genauso wie in ihrer Zweitsprache Deutsch virtuos literarische Texte auf höchstem künstlerischen Niveau produziert“. Olga Martynova thematisiere „auf ganz eigene, fantasievolle Weise Konflikte und Bewältigungsproblematik von Stalinismus, Kaltem Krieg sowie der Begegnung von Ost und West als europäischen Kultur- und Geschichtsräumen“, betonte Müller.

Der Präsident der Freien Universität Berlin, Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Peter André Alt, hob den „respektvoll-respektlosen“ Umgang mit literarischen Traditionen in Olga Martynovas Werk hervor. Sie webe in ihren Texten scheinbar mühelos „ein dichtes, in seiner Episodenhaftigkeit ausgesprochen zeitgemäßes Netz aus literarischen Verweisen“, das sich auf sprachgewaltige Romane des 19. Jahrhunderts ebenso erstrecke wie auf die Sprachexperimente der Modernisten. Dies qualifiziere sie in ganz besonderem Maße für die Aufgabe, im Rahmen der Gastprofessur mit Berliner Studierenden über ihr Werk zu diskutieren, den literaturgeschichtlichen Vergleich anzustreben und sie zu praktischem Schreiben anzuregen, betonte Alt. Die Laudatio auf Olga Martynova hielt die Dichterin und Übersetzerin Elke Erb, die mehrere Texte der Preisträgerin aus dem Russischen ins Deutsche übertragen hat.

Olga Martynova (geboren 1962 bei Krasnojarsk), wuchs in Leningrad auf und studierte dort russische Sprache und Literatur. Seit 1991 lebt sie in Deutschland. Sie schreibt auf Russisch und auf Deutsch. Im Jahr 2010 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Sogar Papageien überleben uns“. Zwei Jahre später gewann sie mit ihrem Text „Ich werde sagen: ,Hi!'“ den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. In deutscher Sprache erschienen ferner unter anderem die Gedichtbände „Brief an die Zypressen“ (2001), „In der Zugluft Europas“ (2009) und „Von Tschwirik und Tschwirka“ sowie 2013 der Roman „Mörikes Schlüsselbein“.

Der Preis der Stiftung Preußische Seehandlung und die damit verbundene Gastprofessur an der Freien Universität bestehen seit 2005. Die Professur bietet den Preisträgern jeweils im Sommersemester ein Forum für die Textarbeit mit Studierenden der Hochschulen in Berlin und Brandenburg. Bisherige Preisträger und Dozenten waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr, Rainald Goetz, Lukas Bärfuss und Hans Joachim Schädlich. Der Jury des Berliner Literaturpreises 2015 gehören Peter-André Alt, Sonja Anders, Jens Bisky, Kristin Schulz und Thomas Wohlfahrt an.

Freie Universität Berlin