Bären statt Wanderer: Baikal schließt seine Touristenpfade

Bären statt Wanderer: Baikal schließt seine Touristenpfade

Am Baikalsee gehören mehrere der beliebtesten Wanderwege vorerst den Bären. Die Verwaltung des Nationalparks „Geschütztes Baikalgebiet“ hat zwei weitere touristische Routen geschlossen, nachdem die Tiere wiederholt am helllichten Tag in der Nähe menschlicher Siedlungen aufgetaucht waren.

Betroffen sind die Große Baikalroute und der Weg zwischen Baklani Kamen und Buguldeika. Seit dem 28. August bleiben wegen der Bären bereits vier weitere Strecken gesperrt, darunter Abschnitte an der historischen Baikal-Rundbahn.

Die Nationalparkverwaltung bezeichnet die Lage als „kontrolliert, aber angespannt“. Besondere Sorge bereitet ein Bär, der in der Nähe des Dorfes Bolschoje Goloustnoje Nutztiere angegriffen haben soll. Die Behörden vermuten, dass die verstärkte Annäherung der Raubtiere an Ortschaften und Wanderwege mit einem unzureichenden natürlichen Nahrungsangebot in diesem Jahr zusammenhängt.

Mit dem nahenden Herbst könnte sich die Lage weiter verschärfen. Vor dem Winterschlaf müssen sich die Tiere Fettreserven anfressen. Finden sie in den Wäldern zu wenig Nahrung, suchen sie verstärkt in Siedlungen, auf Weiden oder in den Vorräten von Touristen danach.

Bereits im vergangenen Jahr musste die Große Baikalroute zeitweise geschlossen werden. Damals hatte ein junger Bär mehrfach Wanderer überrascht und schließlich ein Zelt geplündert. Wieder freigegeben wurde der Weg erst, nachdem Kontrolleure keine frischen Spuren mehr gefunden hatten – und zunächst nur für Gruppen von mindestens fünf Personen.

Die jetzt gesperrte Route führt über rund 46 Kilometer entlang der Küste und über die Hänge des Primorski-Gebirges. Sie verbindet Listwjanka, Bolschije Koty und Bolschoje Goloustnoje. Im vergangenen Jahr waren dort etwa 14.500 Wanderer unterwegs.

Nun bittet die Nationalparkverwaltung das russische Ministerium für natürliche Ressourcen, Maßnahmen zur „Regulierung“ des Bärenbestands zu ergreifen. Hinter dieser behördlichen Formulierung können neben einer stärkeren Überwachung und Vertreibung problematischer Tiere auch zusätzliche Abschussgenehmigungen stehen.

Wer trotz allem am Baikalsee wandern möchte, dem bleibt gegenwärtig vor allem die Insel Olchon. Dort leben Bären nicht dauerhaft. Ganz ausgeschlossen ist ein Besuch der Tiere allerdings auch dort nicht: Zuletzt wurde 2015 ein Bär beobachtet, der den See durchschwamm und die Insel aus eigener Kraft erreichte.

Bis ein weiterer auftaucht, gilt am Baikalsee eine ungewöhnliche touristische Arbeitsteilung: Die Menschen bekommen die Insel – und die Bären die Wanderwege.

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