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06-09-2004 Luftfahrtkatastrophe August 2004
Russland sucht nach Mitteln zum Schutz von Flugzeugen gegen Terroranschläge
Bei der Untersuchung des Wracks der abgestürzten Tu-134-Maschine, die sich auf dem Weg von Moskau nach Wolgograd befand, wurde festgestellt, dass der Absturz von einer Explosion im Heck verursacht worden war.

Das teilte General Andrej Fetissow, Chef der Abteilung wissenschaftlich-technische Sicherstellung des FSB Russlands, mit. Zuvor waren Spuren eines Sprengstoffs auch an Fragmenten der abgestürzten Tu-154-Maschine festgestellt worden.

Praktisch die gesamte Infrastruktur der modernen Gesellschaft kann zwar heute zum Objekt von Terroranschlägen werden, besonders verletzbar sind aber die Kommunikationen, u. a. das Verkehrssystem. Von Luftfahrt-Terrorakten wurden bereits mehrere Staaten getroffen. Auch Russland konnte dies nicht vermeiden. Bereits im Frühling 1991 wollte ein mit der Handgranate bewaffneter Terrorist eine An-24-Maschine, die den Flug Archangelsk - Kotlas - Leningrad absolvierte, ins Ausland entführen. Die Geiseln konnten dank dem Einsatz von Spezialeinheiten befreit werden. Fünf Jahre später unternahm ein Bürger Nigeriens den Versuch, eine Aeroflot-Maschine Moskau-Lagos zu entführen. Er drang mit einem Messer in den Cockpit ein und forderte eine Landung in Algerien. Er konnte entwaffnet und den nigerianischen Behörden übergeben werden. Einen weiteren Akt der Luftpiraterie unternahmen drei tschetschenische Terroristen, die eine Tu-154-Maschine der Gesellschaft Vnukovo Air Lines nach Medina entführten. Dort wurden die Passagiere und die Besatzung von örtlichen Sondereinheiten befreit. Die beiden Banditen, die die Aktion überlebten, wurden vom Gericht Saudi-Arabiens verurteilt.

Angesichts der erhöhten Terrorgefahr im Luftverkehr sind jetzt erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in der rund 7 000 Flugzeuge zählenden russischen Luftfahrtflotte eingeführt worden. Es handelt sich um eine gemeinsame Operation der Polizei, des Föderalen Sicherheitsdienstes und der Zollbehörden. Verschärft wurden die Kontrollen der Flughafeneinrichtungen selbst sowie der Passagiere, der Besatzungen, des Hand- und des Großgepäcks. Personen, die sich an Terroraktivitäten beteiligt haben, werden in den Transportströmen mit elektronischen Mitteln aufgespürt. In der Luftfahrt dient der automatisierte Komplex „Sirena" diesem Zweck.

Aktuell bleibt das Problem des Aufspürens von Sprengstoffen, u. a. von Plastiksprengstoffen. Zur Gewährleistung der Sicherheit von Fluggästen sowie um Waffen, Sprengstoffen und sonstigen gefährlichen Gegenständen den Weg in die Flugzeuge zu versperren, sollen in Russlands Flughäfen zusätzliche Kontrollanlagen montiert werden: Es handelt sich um rund 900 Röntgen-Fernsehenteroskope in einem Gesamtwert von 80 Millionen Dollar. Der Erwerb der speziellen technischen Mittel für die Kontrolle über die Fluggäste und Güter ist besonders aufwendig und erfordert eine staatliche Unterstützung aus dem Föderationsetat in Höhe von 690 Millionen Rubel.

Besonders aktuell ist auch das Problem der Ausstattung der russischen Maschinen mit Vorrichtungen zur Verhinderung eines Eindringens in den Cockpit und einer Einmischung in die Arbeit der Besatzung. Nach Ansicht der technischen FSB-Experten sollte man hier den Erfahrungen Israels auf diesem Gebiet, die zu den effektivsten gezählt werden, besondere Aufmerksamkeit schenken.

Russlands Verkehrsminister Igor Lewitin, der die staatliche Kommission zur Ermittlung der Ursachen der Flugzeugabstürze am 24. August leitet, teilte mit, dass die Leitung seines Ministeriums und des Innenministeriums eine gemeinsame Anweisung „Über organisatorische Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit in den Luftverkehrsobjekten" unterzeichnet hatten. Das Dokument sieht vor, dass die Kontrollposten in den zivilen Flughäfen durch Vertreter der Verkehrspolizei verstärkt werden. Außerdem, so Lewitin, fordert das Verkehrsministerium, dass der Vermerk über die Passnummer eines jeden Fluggastes jetzt auch bei den Inlandsflügen eingeführt wird.

Wie der Minister mitteilte, sollen demnächst die Dateien aller Fluggesellschaften über die gekauften Flugtickets vereinheitlicht werden. Er plädierte auch für eine Vervollkommnung der Normativbasis. Nach seinen Worten sollen im Interesse der Verstärkung der Flugsicherheit unverzüglich Abänderungen des Luftfahrtkodexes und des Gesetzes über die Polizei beschlossen werden. Bis zum Jahresende werden die russischen Parlamentsabgeordneten ein Gesetz über die Verkehrssicherheit und ein spezielles Gesetz über die Sicherheit im Luftverkehr annehmen.

Besondere Aufmerksamkeit lenkte Igor Lewitin auf die psychologische Vorbereitung der Flughafenmitarbeiter. „Die Menschen, die sich mit der Sicherheit befassen, müssen gute Psychologen sein, um suspekte Fluggäste zu ermitteln", betonte er. (von RIA-Nowosti-Kommentator Wjatscheslaw Laschkul)